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XII. Der Werdegang der Spektralanalyse.
Verbesserung der Stahlfabrikation patentieren lassen, derenWesen darin besteht, daß durch das flüssige, in den birnenförmigen„Konverter" eingeschlossene Roheisen unter hohem Drucke Luftgepreßt wird. Durch die hiermit eingeleitete Oxydation ist einegewaltige Wärmeentwicklung bedingt, welche eine nahezu vollständigeEntkohlung im Gefolge hat. Wenn man nun, wie dies Roscoe,nach dem Zeugnisse seines damaligen Assistenten C. Schorlemmer (1834—1892), bereits 1862 that, das Spektrum der Bessemer-Flamme stetig verfolgt, so wechselt dasselbe rasch sein Aussehen,und das auffallendste Bild gewährt es während einer kurzen Phase,indem alsdann eine große Anzahl von hellen Streifen und dunklenAbsorptionsbändern in ihm hervortritt. Erstere weisen teilweiseauf Natrium, Kalium und Lithium, letztere auf Kohlenoxyd hin.Bald war Roscoe so weit, neben den genannten Elementen auchnoch Kohlenstoff, Eisen, Wasserstoff und Stickstoff als vorhandeuzu erkennen. Der Techniker legt nun Wert darauf, den Zeitpunkt,in dem der Kohlenstoff verschwindet, thnnlichst scharf fixieren zukönnen, und da hilft ihn: eben das Spektrum, weil der vor demSpalte sitzende Beobachter nur anzumerken braucht, wann er dieKohlenstofflinie aus dem Gesichte verliert. Vorher mußte man audem bloßen Aussehen der Flamme dieseu Termin zu konstatierentrachten, uud daß sich da auch ein geübtes Auge leicht täuschen konnte,leuchtet von selbst ein. Die Spektroskopie hatte hiermit auch schonden drastischen Beweis ihrer technischen Brauchbarkeit erbracht.
Es versteht sich von selbst, daß die Beobachtungen Roscoesauch nach der theoretischen Seite Anknüpfungspunkte boten, dennes erhob sich die Frage, weshalb neben dem Kohlenstoffe, dessenAnwesenheit ja eine durch die Natur des Eisens und des Ver-brennungsprozesses gegebene ist, auch andere Stoffe ihr nur zeit-weise erkennbares Dasein durch ein ziemlich kompliziertes Spektrumbekunden. Das führt zur Erörterung der Thatsache, daß ganzverschiedene Arten des Spektrums in die Erscheinungtreten können. Von Stokes und Angström war die längstbekannte Analogie zwischen akustischen uud optischen Phänomenenauch auf die Lehre vom Spektrum übertragen worden, und mandachte daran, den besonderen, durch die Spektrallinien eindeutig