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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Anwendung der Spektroskopie auf die Sonne.

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Leitung in relativ kurzer Zeit auch der erstere zum Glühen undSelbstleuchten gebracht würde, ward allmählich in vielen Kreisenzugegeben, und Kirchhoffs Definition der Sonne als einesglühenden, in den äußeren Schichten durch Flüssigkeitenund Gase gebildeten Balles sand allenthalben Anklang. DieSonnenflecke hörten auf, Risse in der allein leuchtenden Photo-sphäre zu sein, durch welche man auf die schwarze Sonnenkugelhinabschauen konnte, und verwandelten sich in Schlacken, die aufder brodelnden Sonnenatmosphäre schwammen, lokale Ab-kühlungsprodukte, bei denen sogar eine vorübergehende Rück-bildung in den festen Aggregatzustand nicht ausgeschlossen sein sollte.Wenn auch die Frage, ob denn solche Erstarrungsschollen der auf-lösenden Kraft der rings um sie her herrschenden Hitze wirklichso lange Widerstand zu leisten befähigt sein könnten, wie es nötigwäre, damit einnndderselbe Fleck durch 27 Tage und länger ziemlichunveränderlich bliebe, zunächst noch nicht gestellt wurde, so ließsich doch erwarten, daß die erste Sonnentheorie, welche diedurchaus unwissenschaftliche Hypothese der Engländer ablöste, auchnoch nicht gleich die endgiltige sein würde, und unser astrophysika-lischer Abschnitt wird zeigen, daß in der That gerade dieser Gegen-stand zu den umstrittensten in der ganzen Lehre von der physischenBeschaffenheit der Himmelskörper gehört. Aber Kirchhosfs Groß-that wird dadurch nicht im mindesten geschmälert, daß ihm nichtgleich der erste Wurf entscheidend glückte, und in der Geschichteder Naturwissenschaft glänzt er, vereint mit Bunsen, als derBegründer eines der schönsten und ertragreichsten Wissenszweigeder neueren Zeit, als der Begründer der ein Grenzgebiet dreierumfassenden Disziplinen darstellenden Astrophysik.

Die geistige Bewegung, welche sofort durch die ersten Arbeitender Heidelberger Dioskuren ins Leben gerufen ward, erweist sichals eine tiefgehende und nachhaltige. Um gleich bei einer sehrmerkwürdigen Anwendung zu beginnen, erwähnen wir des Studiumsder Bessemer-Flamme, wodurch H. E. Roscoe , den wir schonkennen, nnd etwas später A. Lielegg (geb. 1330) wertvolle Ver-besserungen eines technischen Prozesses erzielten. H. Bessemer(geb. 1813) hatte 18S6 sich die seinen Namen tragende, wichtige