Wüllner und Angstrvni über mehrfache Spektren.
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man eine Leidener Flasche in den Strom einschaltet. Durch eineZaugvorrichtung entzog Wüllner dem untersuchten Gase mehrund mehr Quantität, so daß also die im gleichen Raume befind-liche Gasmasse unter fortschreitend kleinerem Drucke stand, undals er bis zu 70 wra Druck den Wasserstoff entlastet hatte, zeigtesich eine Andeutung des stetigen Spektrums. Fortschreitende Eva-kuation ließ dasselbe immer erkennbarer werden, und bei 30Druck offenbarte es sich in seiner größten Reinheit, während einenoch weitere Fortsetzung des Verdünnungsprozesses die drei be-kannten hellen Linien zum Erscheinen brachte. Zuletzt nahm aberderen Helligkeit wieder bis zum Verschwinden ab, und es tratenaufs neue Spuren des kontinuierlichen Spektrums hervor. Esist nicht zu verwundern, daß ein so paradox erscheinender Wechselder Spektralbilder Anstoß zu verschiedenen Diskussionen gab, undes war insbesondere Angström, der den Angaben von Plückerund Wüllner die Behauptung entgegenstellte, es könne auseinem Spektrum der einen Art niemals ein solches eineranderen Art hervorgehen. Indem er nnter diesem Gesichts-punkte die Wüllnerschen Beobachtungen, deren thatsächliche Rich-tigkeit nicht bestritten ward, seinerseits analysierte, sah er sich zudem Ergebnis geführt, daß die der Prüfung unterstellten Gaseanfänglich nicht völlig rein gewesen seien — eine Mutmaßung,die den Praktiker deshalb für sich einzunehmen wohl geeignet ist,weil derselbe nur zu gut weiß, daß trotz der unsäglichen, aufGlüh- uud Trockenprozeduren verwendeten Mühe sehr leicht winzigeReste fremder Beimengungen an den Gasen, die man isolierenwill, hasten bleiben. Nur aus solch minimale Spuren käme esaber nach Angströms Meinung an. Indem derselbe die Ver-dünnung einer mit gewöhnlicher Luft gefüllten Röhre bis auf dasÄußerste trieb, vermochte er neben dem normalen Spektrum diesesGasgemeuges auch noch Andeutungen der bekannten Linien vonKohlenoxyd, Natrium uud Chlor zu erkennen, und dies hätte, wieer glaubte, uicht geschehen können, wenn nicht diese Substanzenbereits von Anfang an in der geprüften Luft enthalten gewesenwären. Daß dieser Umstand von Einfluß sein könne, räumteWüllner ein; zumal die Fettdämpfe, welche man wohl kaum
Günther, Anorganische Naturwissenschaften. 25