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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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386 XII. Der Werdegang der Spektralanalyse.

gänzlich auszuschließen im stände ist, solange die Hähne der Pumpeneiner Einfettung bedürfen, tragen gelegentlich znr Trübung derErscheinungen bei. Nicht jedoch war er geneigt, einer solchen dochimmer nur sekundären Ursache die Fähigkeit zur Hervorbringungselbständiger Spektra beizulegen, und eine neue Versuchsreihe be-stätigte die Transformierbarkeit der einzelnen Spektral-formen ineinander. Die Art der Entladung wurde in zylin-drischen, der sonst üblichen kapillaren Verengerungen entbehrendenRöhren nach einem neuen Verfahren untersucht, uud da der hierzudienende Drehspiegel eine sehr scharfe Unterscheidung der einzelnenLichterscheinungen ermöglicht, so zog Wüllner aus diesen neuenBeobachtungen den seiner früheren Ausfassung zur Stütze dienendenSchluß: Kontinuierliche Entladung ergiebt Banden- undFunkenentladung ergiebt Linienspektra. Ein junger, un-gemein viel versprechender Physiker, I. K. F. Zoellner (1834 bis1882), hatte um diese Zeit den gleichen Gegenstand sowohl theo-retisch als auch experimentell von neuem durchgearbeitet uud demKirchhosfschen Fundamentalsatze, dem oben eine längere Erörterungzu teil ward, die Folgerung abgewonnen, daß das Spektrum, zu-mal hinsichtlich seiner photometrischen Beziehungen, nicht bloßdurch Temperatur, Dichte und Absorptionskoeffizienten, sondernauch durch die Mächtigkeit der leuchtenden Schichten bedingtist. Vermehrt sich diese Mächtigkeit, so verstärkt sich auch imSpektrum die Teudenz, aus einem differentierten in ein konti-nuierliches überzugehen. Daß Wüllner diese Bereicherung desbestehenden Wissens bereitwillig für die festere Begründung seinerTheorie verwertete, ist natürlich; der durchschlagende Funke istnicht vermögend, dickere Gasschichten ins Leuchten zu bringen,sondern es wird bei Funkenentladnng immer nur das Glühen einerSchicht von geringer Dicke, einer relativ geringen Anzahl vonMolekülen anzunehmen sein, und dem entspricht das Hervortreteneiner ebenfalls nur kleinen Anzahl leuchtender Linien im Spektrum.Nur eine außerordentlich starke Temperatursteigerung bringe auchbei solch diskontinuierlichem Elektrizitätsausgleiche die Annäherungan ein kontinuierliches Spektrum zuwege. Angström hat sichallerdings dieser in Deutschland zur Herrschaft gelangten Deutnng