Das Blitzspektrum.
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der verschiedenen Spektra, welche der gleichen Substanz unter ab-weichenden Bedingungen entsprechen sollen, niemals anbequemt,sondern noch in seiner postHumen Schrift von 1875, die sein mehr-jähriger Mitarbeiter T. R. Thalen (geb. 1827) herausgab, hälter daran fest, daß jedes Element auch nur ein einziges Spektrumbesitzen könne, und daß das Auftreten mehrfacher Spektra mit derThatsache zusammenhänge, daß jener Grundstoff nicht für sich allein,sondern in Verbindung mit fremdartigen Atomen, zur Lichtemissiongebracht morden sei. Der Funkenentladung wird, als dem zuver-lässigsten Erprobungsmittel, deshalb der Vorzug gegeben, weil derheiße Funke auch eine chemische Zersetzung der fein zerstäubtenTeilchen bewirke und damit die einzelnen Elemente direkt isoliere,wogegen man beim kontinuierlichen Stromdnrchgange nicht sichersei, ob nicht neben den Elementarspektren auch bereits Spektrenvon Verbindungen ans den: zerlegenden Prisma hervorgingen.
Es mußte nicht geringes Interesse gewähren, angesichts derErkenntnis, daß die Art der Entladung jedenfalls eine nichtgeringe Wichtigkeit beanspruchen darf, auch jene großartigen Aus-gleiche spektroskopisch zu beobachten, welche die freie Natur, ohneZuthun des Menschen und oft sehr gegen dessen Wunsch, uns vorAugen stellt. Im Jahre 1868 machte A. Kundt (1838—1894)seine Beobachtungen über das Blitzspektrum bekannt. Manunterscheidet neuerdings — von den sehr schwer im Spektrum fest-zuhaltenden Kugelblitzen abgesehen — Linien- und Flächen-blitze; die Blitze erster Art bethätigen eine unverkennbare Ähn-lichkeit mit der Funkenentladung und die Blitze der zweiten Artganz ebenso mit der stetigen Entladung. Da verdient es dennimmerhin bemerkt zu werden, daß Kundt gerade bei den soaugenfälligen Zickzackblitzen ein Linienspektrum, bei diffuserer Licht-entwickluug in einem nicht linearen Blitze ein Bandenspektrnmerhielt, ohne daß allerdings eine ganz scharfe Grenze zwischen denbeiden Formen gezogen werden konnte. Immerhin mochte man indieser Analyse des Blitzes eine Bekräftigung der vou Plückeraugebahnten und von Wüllner weiter ansgestalteten Theorieeines innigen Zusammenhanges der besonderen Art desSpektrums mit der Eigenart des Glühprozesses erblicken.
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