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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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Moderne Sternwarten.

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Ruf ungeschmälert beibehalten, wogegen Paris , das ja zu Le-verriers Zeit nicht einmal die nötigen Mittel zur Verifizierungvon dessen Rechnuugsergebnissen dargeboten hatte, erst in jüngsterZeit auch nach dieser Seite hin so mancher jüngeren Schwesterebenbürtig gemacht worden ist. Von den mit deutscheu Astro-nomen besetzten Anstalten sind Dorpat , Königsberg i. Pr.,Berlin, Breslau, Gotha, Kiel, Göttingen, Leipzig, Bonn ,München, Wien Zentralstätten geblieben, wie sie dies immerwaren. Das Wiener Observatorium hat, währeud es früher seiuerungünstigen Lage halber für Präzisionsmessungen schlechte Ge-legenheit bot, einen trefflichen Platz auf der vom Stadtzetttrumweit entferntenTürkenschanze" erhalten und sich unter der Direk-tion von E. Weiß (geb. 1837) in gedeihlichster Weise entwickelt.Prag vermißt noch immer eine den heutigen Anforderungen ent-sprechende Sternwarte; Budapest ist in den Besitz des unga-rischen Volkes, Krakau , wo M. Weiße (1798 1863) derletzte deutsche Vorstand war, in den Besitz des polnischen Volkesübergegangen. Im deutschen Reiche sind zwei schöne Sternwartenneu erstanden: Straßburg i. E. als eine Frucht der deutschenSiege und Bamberg als das Geschenk, welches ein für dieWissenschaft begeisterter und auch in derselben wohl erfahrener Lieb-haber der Astronomie, K. Remeis (18371882), seiner Vaterstadtdargebracht hatte. Auch wurde die altehrwürdige, von Chr. Mayerund F. B. G. Nicolai (1793 1846) zu Ehren gebrachteMannheimer Sternwarte zuerst nach Karlsruhe und von danach Heidelberg verlegt. Überhaupt zeigt sich mehr und mehrdas Bestreben, die Sternwarten möglichst mit den Hochschulenorganisch zu verbinden; ein Bestreben, das seine innerliche Recht-fertigung kaum zu beweisen braucht, so wenig geleugnet werdensoll, daß auch Anstalten, die einer solchen Anlehnung entbehren,gleichfalls sehr segensreich wirken können. Wir erinnern in dieserBeziehung nur an die altberühmte Klostersteruwarte Krems-münster, an welcher im 18. Jahrhundert P. Fixlmillner,im nächsten M. Koller (1792 1866), A. W. Reslhuber(1808187S) und S. Fellöcker (18161887), der Historikerseines Institutes, erfolgreich gewirkt haben. Sehr auffallende und