392 XIII. Die Astronomie in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts.
der Wissenschaft, die in der ersten Periode doch leichter übersehbarwaren, ganz unvergleichlich mehr anhäufen. Alles, was irgendastrophysikalischen Charakter trägt, scheidet hier aus; den darausentspringenden Nachteil wird kein Kundiger verkennen, aber erwird auch den Grnnd, der den Schaden mit in Kauf zu nehmenzwingt, gelten lassen; derselbe läßt sich dahin präzisieren, daß sichallmählich die Untersuchung des Gestirnlichtes durch Photo-metrie, Photographie und Spektralanalyse so gut wieselbständig gemacht hat, wie denn auch für Arbeiten dieser Artzumeist besondere, für Ortsbestimmung n. dgl. gar nicht adjustierteObservatorien entstanden sind, während die eigentlichen Stern-warten mit den ihnen zufallenden Aufgaben übergenug zu thunhaben. Wir werden folglich zuerst der Beobachtungskunst —dieses Wort im älteren Sinne genommen — und der Vervoll-kommnung der Methoden zur Positionsbestimmung ge-denken, hieranf zur Besprechung derjenigen Erweiterungen unseresWissens von Anzahl und Oberflächenbeschaffenheit der Weltkörperübergehen, bei deren Erlangung einzig und allein dasFernrohr beteiligt war, und endlich auch auf rechnendeAstronomie und Himmelsmechanik zn sprechen kommen.So dürfte der Kreis der in diesen Abschnitt gehörigen Objekteam leichtesten zu überblicken sein.
Nach R. Wolfs, des uns nicht fremden Historikers derAstronomie, verlässiger Schätzung gab es bei Beginn des 19. Jahr-hunderts etwa 130 diesen Namen wirklich verdienende Stern-warten, von denen eine besonders große Zahl auf Frankreich entfiel. In der ersten Jahrhunderthälfte war eine Vermehrungder Gesamtzahl eingetreten, obwohl in dem früher klassischen Landeein auffälliger Rückgang zu konstatieren war. In den siebzigerJahren werden es, wiederum nach Wolf, zusammen gegen 200gewesen sein, und eine beträchtliche Änderung hat seit jenem Ter-mine schwerlich Platz gegriffen, weil die neuen Tempel der Uraniain ihrer überwiegenden Mehrzahl nicht für den Dienst der Ge-samtwissenschaft, sondern nur für eine Abzweigung derselben be-stimmt wurden. Die britische Nationalsternwarte Greenwich unddas neue russische Zentralobservatorium Pulkowa haben ihren