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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
397
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Persönliche Gleichung; Astronomische Uhren. 397

ganz wie beim Morse-Telegraphen, abrollenden Papierstreisendurch eine Nadel eine Stichmarke entsteht. Da zudem die einzelnenSekunden auf dem Streifen durch gleichabständige Einstiche mar-kiert sind, so kann man Bruchteile eiuer Sekunde mit großer Ge-nauigkeit ablesen. Zwei verschiedene Beobachter sassen uur höchstselten gleichzeitig auf, und die als persönliche Gleichung be-zeichnete Differenz der Zeiten, iu denen das Auge den Eindruckkonzipiert und das ausführende Organ darauf reagiert, hat denpraktischen Astronomen seit Maskelyne , der zuerst auf die Sacheaufmerksam wurde, viel zu schaffen gemacht. Der neue Chrono-graph beseitigt den aus der Thatsache, daß auch die Nerven-sortleitung nicht instantan erfolgt, entspringenden Fehlerzwar nicht gänzlich, verkleinert ihn aber ungemein, so daß er keinenachteilige Rolle mehr zu spielen vermag. F. Pape (1834 bis1862), C. I. E. Wolf (geb. 1827), A. Hirsch (geb. 1830) u. a.haben die Lehre von der Personalgleichung astronomisch bearbeitet,aber auch vom Standpunkte der Psychophysik aus, die wir alsGrenzgebiet zwischen Psychologie und Physik noch zu betrachtenhaben werden, ist man einer Erscheinung uäher getreten, welcheüber die Wirkungsweise der menschlichen Sinneswerkzeuge sonstnicht leicht erhältliche Aufschlüsse verspricht.

Daß die Uhr als das zweitwichtige Instrument einer gutenSternwarte zu betrachten ist, bedarf kaum der Hervorhebung, dennfobald es anerkannt ist, daß die oberste Aufgabe des Beobachtersdarin besteht, irgend ein Geschehnis am Himmel genaunach Ort und Zeit festzustellen, so ist die Bedeutung desZeitmeßapparates klar genug umschrieben. Um den Gang derPendeluhr, die durch Kompensation, Vereinigung von Stangenaus verschieden ausdehnbaren Metallen in der Pendelstange, gegenWärmeschwankungen geschützt sein muß, uach Möglichkeit auchgegen die Einflüsse des Luftwiderstandes und der Luftadhüsionzu isolieren, läßt man sie neuerdings gerne in einem Kastenschwingen, in dem durch eine Luftpumpe eine starke Verdünnungdes hemmenden Mediums hergestellt werden kann. In Greeuwichhat man, wie N. Lockyer (geb. 1836) angiebt, eine andere Artdes Schutzes gegen die Variativuen des Luftdruckes gewählt; mit