398 XIII. Die Astronomie in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts.
der Pendellinse ist ein kleiner Magnet verbunden, der im Ruhe-zustände vertikal über einem magnetischen Schwimmer auf demMeniskus eines Gesäßbarometers steht, sv daß mit dessen Hebnngdurch verstärkten Luftdruck eine Retardation, mit dessen Senkungdurch verminderten Luftdruck eine Beschleunigung der Pendel-beweguug eintritt. Ein vvrzngliches Uhrwerk ist auch erstes Er-fordernis für das parallaktisch aufgestellte Äquatorial, beiwelchem die Achse, um welche sich das Fernrohr dreht, zur Weltachseparallel steht, so daß also, wenn die Drehung derjenigen der Erdegenau gleich und entgegengesetzt gerichtet ist, ein in den Mittelpunktdes Gesichtsfeldes gebrachtes Objekt dauernd darin verbleiben muß.Bei Studien topographisch-astronomischer Natur ist diese Annehm-lichkeit kaum hoch genug anzuschlagen; W. Herschel litt sehr unterdem Übelstande, daß ihm das anvisierte Gestirn, bei der starkenVergrößerung seiner Spiegelteleskope, immer gleich wieder aus denAugen kam, und daß ein stetiger Gebrauch des eine seitliche Be-wegung ermöglichenden Mechanismus unumgänglich war.
Einen sehr guten Abriß dessen, was die astronomische Beob-achtuugskuust iu den Nnfangsjahren der uns gegenwärtig beschäf-tigenden Periode leistete, enthält ein Werk, welches PH. Carl , zu-gleich ein nicht minder geachteter physikalischer Schriftsteller, imJahre 1863 zu Leipzig herausgab. Einen etwas späteren Stand-punkt kennzeichnet Lockyers auch durch geschichtliche Parallelenauregeude „Beobachtung der Sterne sonst und jetzt" (deutsche Aus-gabe, Brauuschweig 1880). Seitdem ist die Praxis ebensowohlwie die für die Praxis arbeitende Theorie unausgesetzt fort-geschritteu, indessen sind keine nenen Erfindungen von umgestal-tender Bedeutung hinzugekommen. Der Jnstrumentenpark einergrößeren Sternwarte weist noch gar manche andere Typen auf, diejedoch in einer allgemeinen Schilderung übergangen werden können.Das Heliometer, der unentbehrliche sphürische Distanzmesser, hatschon früher seine Stelle gefunden. Was die dem nicht an dieScholle gebundenen Astronomen und dem Forschungsreisenden alswertvollstes Rüstzeug dieneuden Reflexion sin st rumente an-langt, so ist bei ihnen jetzt durchweg der Spiegel durch dastotal reflektierende Prisma ersetzt, und die Anwendung eines