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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Sternkatalogc und Himmelskarten.

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solchen verstattet es auch dem Beobachter, von der Seite her indas Passageninstrument hineinblicken zu können, was namentlichbei der Messung des Ortes von Zenitalsternen angenehm ist unddie wenig bequemen, auf Schienen bewegten Beobachtungsbettenüberflüssig macht.

Alle himmlischen Bewegungen werden an den festen leuchten-den Punkten gemessen, an welchen der Weg eines bewegten Himmels-körpers Planet, Komet oder Meteorit vorüberführt,und dem Astronomen muß deshalb vor allem daran gelegen sei:?,durch genane Fixsternkataloge eine thunlichst genaue Himmels-polizei ausüben zu können. Bessel nnd sein Schüler Argelander hatten in dieser Hinsicht besonders wichtige Arbeiten geliefert, in-dem sie namentlich die Zonenbevbachtuugen organisierten, undin dem von ihnen angedeuteten Sinne ist rüstig weitergearbeitetworden. In dein Zeitraume seit 1846 haben Rümker der ältere,Airy, M. I. Johnson (1805 1859), R. C. Carrington(18261875) u. a. neue Kataloge von Wert geliefert, währendI. PH. Wolfers (18031878) und O. v. Struve (geb. 1819)die unentbehrlichen Reduktioustafelu lieferten, durch welcheerst ein Sternort, nachdem die Korrektionen für Aberration undNutation an ihm angebracht sind, mit irgend einein anderen ver-gleichbar geinacht wird. In neuester Zeit hat zumal A. Auwers (geb. 1838) diesen an sich unscheinbaren, aber allen Beobachtungenund Rechnungen erst die Zuverlässigkeit gewährleistenden Zweigdes astronomischen Rechnungswesens gepflegt. Himmelskartenvon großer Exaktheit besaß mau um die Mitte des Jahrhundertsbereits genügend; indessen fallen auch in die spätere Zeit noch um-fassendere Unternehmungen dieser Art, wie diejenigen von Arge-lander (1863), von E. Heis (1872) und von R. Proctvr(seit 1870); die südliche Halbkugel, sür die es noch an einem über-sichtlichen Atlas mangelte, erhielt denselben 1874 durch C. Behr-mann (geb. 1843). Argelander , der in allen die Fixsternkundebetreffenden Fragen an der Spitze blieb, so lange seine Kräfte esihm erlaubten, hat sich auch durch eine kritische Prüfung des erstenwissenschaftlich wertvollen Kartenwerkes der älteren Zeit, derUranometria" von I. Bayer, die 1603 zu Augsburg erschien