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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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400 XIII. Die Astrvnomie in der zweiten Hälfte des Jahrhundert.

und zuerst die uns jetzt geläufige Bezeichnungsweise der Fixsterneeinführte, ein ehrendes Denkmal gesetzt. Das neueste Unternehmenist die große photographische Sternkarte, deren im nächstenAbschnitte, wenn die Himmelsphotographie an die Reihe kommt, zugedenken sein wird.

Eine der wichtigsten Thatsachen, welche in den ersten Jahr-zehnten des neuen Jahrhunderts festgestellt wurde, war, wie wiruns entsinnen, die, daß viele Fixsterne diesen Namen nichtmit vollem Rechte tragen, vielmehr eigene Bewegung er-kennen lassen. Diese kann selbst wieder eine wirkliche sein,wie bei den Sternsystemen, oder aber eine scheinbare, indemunser Sonnensystem seinen Ort im Weltraume verändert. Diezweitgenannte Frage ist unausgesetzt Gegenstand einer sorgfältigenErwägung gewesen, an der sich Airy, L. de Ball (geb. 1853),I. H. Bischof (geb. 1857) und auch noch mehrere jüngereForscher beteiligt haben; daß auch die Astrophysik hier ihre eigeuenWege zu gehen weiß, werden wir noch erfahren. In der Haupt-sache fallen die für die Lage des sogenannten Apex ermitteltenDeklinations- und Rektaszensionswerte in einen nicht allzu aus-gedehnten sphärischen Flächenteil, und die ältere Ansicht, daß dieBewegungsrichtung dem Sternbilde des Herkules zugekehrt sei, hatsich bewahrheitet. Maedlers Hypothese von der in den Plejadenzu suchenden Zentralsonne hat, obwohl ihr Urheber nochmals1856 seine ganze Kraft an die Rettung derselben setzte, den An-griffen von C. A. Peters und M. Kowalski (1822 1884)nicht Stand halten können und ist gegenwärtig so gut wie ver-gessen. Neuerdings hat M. Hall (geb. 1845) jedoch den Versuch,an dem sein Vorgänger Schiffbruch gelitten hatte, insofern wiederaufgenommen, als er untersuchte, ob nicht vielleicht die unsererSonne, nebst planetarischem Gefolge, zugeschriebene progressiveBewegung thatsächlich vielleicht eine revolutorische sei, undwirklich glaubte er gesunden zu haben, daß sich die Sonne imLaufe von 20 000000 Jahren um einen obenhin anzugebenden Zentralpunkt hernmbewege.

Um zu anderen Problemen der Stellarastronomie überzugehen,sei zunächst an die von W. Herschel erfundenen und deshalb schon