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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Entdeckung neuer Planetoiden.

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der neuesten Zeit glaubte einen ganz anderen Weg betreten zusollen, vergleichbar demjenigen, den Villiger bei der Prüfung derVenusflecke eingeschlagen hat. Der Geologe E. St. Meunier(geb. 1843) und der italienische Astronom V. Cerulli, letztererseit 1897, haben sich, im Einverständnis mit mehreren anderenGelehrten, dahin ausgesprochen, daß die Verdoppelung eine reinsubjektive Erscheinung sei; ja Cerulli dehnt diese Erklärung,was wohl noch lebhafte Gegnerschaft finden dürfte, auf die Kanäleselbst aus. Dagegen hat es für den, der ein auf eine Blechplattegemaltes Bild der Marsoberfläche mit duuklen Streifen seitlichdurch ein Flortuch betrachtet, etwas sehr Einleuchtendes, die Ver-zwiefachung dieser Streifen nicht auf die Natur der sogenanntenKanüle, sondern ans ein Brechungsphänomen zurückzuführen, da jaauch eine stark brechende Marsatmosphäre ganz gewiß vorhanden ist.

Auf Mars folgt, wenn wir von der Sonne weg dem Grenz-kreise unseres Planetensystemes zustreben, jene Lücke, die, wieunser zweiter Abschnitt zeigte, die Naturphilosophie uach ihreneigenen Rezepten auszufüllen bestrebt war, und die dann von1800 an wirklich durch eine stetig anwachsende Zahl sogenannterPlanetoiden oder Aste roiden ausgefüllt wurde. Bis zumJahre 1846, mit dem unsere frühere Übersicht schloß, zählte mannur 5 solchkleine" Planeten, aber man war doch noch weitererFunde gewärtig. Hatte doch schon 1805 I. S. G. Huth (1763bis 1818), A. v. Humboldts Lehrer auf der Universität Frank-furt a. O., gemeint, er würde sich gar nicht wundern, wenn Ceresund Pallasmindestens zehn Mit-Planetchen" erhalten würden.Hencke, der 1845 die Asträa entdeckt hatte, fand 1847 noch dieHebe auf, uud seitdem folgten fich die Neuentdeckungen mit sorapider Schnelligkeit, daß die astronomischen Jahrbücher wohl oderübel darauf verzichten mnßten, vollständige Ephemeriden für jedessolche Miniaturgestiru auszuarbeiten; so kam es denn auch wohleinmal vor, daß eiu Nsteroid verloren ging, von einem anderenBeobachter neu aufgefunden und vielleicht auch mit einem neuenNamen belegt wurde, bis sich dann gelegentlich die Identität miteinem schon bekannten Mitgliede der Gruppe ergab. MehrereAstronomen haben sich alsPlanetoidenjäger" einen Namen ge-