Druckschrift 
Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
413
Einzelbild herunterladen
 

Physische Konstitution der äußeren Planeten.

413

1887 Seeliger das Ergebnis seiner Vorgänger, indem er die vonihm entwickelten photometrischen Sätze auf die Resultate seinereigenen Messungen der Stärke des von dem vermeintlichen Ringeausgehenden Lichtes anwendete. Seeliger spricht dem Ringsystemeeine staubförmige Konstitution zu, und diese kann sowohldurch die erwähnten photometrischen, wie auch durch I. Keelersspektroskopische Bestimmungen als bewiesen gelten, was um sowichtiger ist, da der Münchener Astronom in dem GedankengangeMaxwells gewichtige, in demjenigen Hirns immer noch hin-länglich schwere Bedenken aufgedeckt hatte, durch welche die trotzdemrichtigen Endschlüsse so lange unzuverlässig bleiben mußten, alsnicht auch ein mehr empirischer Beweis nachgeliefert zu werdenvermochte.

Die am meisten in die Augen springende Eigentümlichkeit desUranus besteht darin, daß sein Körper dann und wann fastkugelrund, zu anderen Zeiten wieder, wie Webb und Airy be-zeugten, iu sonderbar eckiger Gestalt gesehen wurde. Seeligerhat 1884 die gestaltlicheu Verhältnisse des Planeten, den wir unsoffenbar als in einem noch sehr lockeren Aggregatznstande befind-lich vorzustellen haben, einläßlich behandelt. Wenn W. Buffham(1870 und 1872) im Rechte ist, so weicht Uranus von der sonstdas Planetensystem beherrschenden Regel, nach welcher der Winkelzwischen Bahn- und Äquatorebene sich in engen Grenzen hält,ganz gewaltig ab; letzterer erreicht einen Wert von 80". Recht weniglehrt uns die gewöhnliche Art der Beobachtung von Neptun.A. Hall und M. Hall haben sich mit ihm beschäftigt, und demletzteren zufolge dreht sich der Planet in 7^ 55" um seine Achse.Den scheinbaren und wahren Durchmesser maßen O. v. Struvein Pulkowa und E. E. Barnard mit Hilfe des ausgezeichnetenRefraktors des Lick-Observatoriums (1895). Hier erschien derPlanet fast immer als kreisrunde Scheibe, und die zugehörigePlanetenkugel besitzt nach den in sehr klarer Luft vorgenommenenBeobachtungen einen Durchmesser von nahe 53 000 KilometerLänge.

Von den Trabanten unseres Sonnensystemes ist der Erd-mond der nächste und auch bekannteste, insoweit nicht die bekannte