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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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414 XIII. Die Astronomie in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts.

Gleichheit von Rotations- und Revolutivnsdauer uns fast dieHälfte seiner Oberfläche für immer unsichtbar macht. Wieweit inden ersten sünf Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts das teleskopischeStudium der uns zugekehrten Moudoberfläche durch Maedler,Beer, Lohrmann und I. Schmidt gefördert worden war, gehtaus unserem fünften Abschnitte hervor. Riedl v. Leuenstern(in Wien), Dicke rt (in Bonn ) und Ma edlers SchwiegermutterW. Witte (17771854) schufen hübsche Mondglobeu, derenÄußeres im Relief die thatsächlichen Oberflächenverhältnisse mög-lichst treu wiedergab. Unter dem reinen Himmel Athens hatI. Schmidt bis zu seinem Ableben unausgesetzt durch trefflicheZeichnuugen unser Wissen von den lunaren Gebilden gefördert,nnd gleiches Verdienst ist W. R. Birt (1804-1881) undTh. W. Webb (18061885) nachzurühmen, die seit dem Endeder fünfziger Jahre in gleichem Sinne thätig waren. Auf einenhöheren Standpunkt hoben die Mondkunde zwei in englischerSprache geschriebene Ausstnttuugswerke, die durch H. I. KleiusMühewaltung auch in guter deutscher Übersetzung zugänglich ge-macht worden sind; I. Nasmyth (18081890) und I. Carpenter(geb. 1840) erschienen mit dem ihrigen 1874, E. N. Neison (geb.1851) erschien mit dem seinigen 1876 ans dem Büchermarkte.Man ersieht aus ihnen, welch reges Leben auf britischem Gebieteuuter dem Einflüsse der dortigenFe1siioArg,plli(!g,1 Loelst^" er-blüht ist. Aber auch auf dem Kontinente herrscht noch immerfrisches Treiben. Von W. Prinz (in Brüssel ) hat man vorzügliche,allerdings durch Vergrößerung amerikanischer Photogramme er-haltene Mondabbildnngen, und auch der Prager Astronom L.Weinek (geb. 1848) war mit großem Erfolge hier thätig. Indessen kommenwir darauf besser im astrophysikalischen Abschnitte zn sprechen.Dagegen ist der schöne Mondatlas, den I. N. Krieger, früher ineinem Vororte Münchens und seitdem auf der ihm gehörigenPia-Sternwarte" zu Trieft thätig, ausschließlich auf Haudzeichnungbasiert und beweist augenfällig, wieviel auch mit diesem einfachenMittel zu erreichen ist. In den letzten zwanzig Jahren hat diePhotographie, die anfänglich dem Monde gegenüber nicht recht vielbedeuten wollte, so rapide Fortschritte gemacht, daß diesem jüngsten