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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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424 XIII. Die Astronomie in der zweiten Hälfte des JahrhnndertS

vielleicht der hervorragendste englische Mathematiker der Neuzeitin der zweiten Jahrhunderthälfte, hat 1871 ein solches Verfahrenangegeben, und ihm folgte 1877 A. N. Tissot (geb. 1824), demwir weiter unten wieder begegnen werden.

Die Begründung der Himmelsmechanik, von Newtonangebahnt, von den großen Analytikern des 18. Jahrhunderts ge-fördert und durch Laplace und Gauß zum einstweiligen Abschlüssegebracht, war in dem Zeitpunkte, mit welchem dieser Abschnitt be-ginnt, eine vollzogene Thatsache; gerade die Errechnung desNeptun im Jahre 1846 gab ja eben den glänzendsten Beweisvon der Tragfähigkeit des von den genannten Männern gelegtenUnterbaues. So Großes auch später noch geleistet, so umsichtigauch uamentlich das Detail des astronomischen Zahtenrechnensvervollkommnet ward, es trägt doch die theoretische Astronomie derneuesten nnd allernenesten Zeit das Gepräge des Korollarsgegenüber den unvergänglichen und unverbrüchlichen Wahrheiten,die bereits früher erkannt worden waren. Zusammenfassende Werke,aus denen die kommenden Geschlechter die Praxis der Bahn-bestimmung erlernen tonnen, schufen 1868 I. C. Watson (1838bis 1880), 1871 E. F. W. Klinkerfues (18271884) und zwischen1870 und 1880 der leider allzufrüh abgerufene Th. v. Oppolzer;das Klinkerfuessche Werk hat 1900 durch Buchholz eine sehrzweckentsprechende Neubearbeitung erfahren. Freunde der Astro-nomie, die, lediglich mit elementarmathematischem Wissen vertraut,doch einen tieferen Einblick in die Geheimnisse der Mechanik desHimmels werfen mochten, können keinen besseren Ratgeber als einvon I. Frischauf (geb. 1837) herausgegebenes Werkcheu (Graz 1868) fiudeu. Auch für den geschichtlichen Teil der einschlägigenFragen kann man sich jetzt in dem sehr anregend geschriebenenBuche (Leipzig 1887) von N. Herz (geb. 1858) Rats erholen.Speziell die Störuugsrechuung ist durch Tisserand, E. De-launay (13161872) und H. Gylden (18411896) ungemeiuvervollkommnet worden, nnd gerade dieser schwedische Astronnmwar es anch, der in einem 1877 veröffentlichten Lehrbuche diesenzweifellos schwierigsten Teil seiner Wissenschaft mustergültig zu popu-larisieren verstand. Die älteren Rechnnngsmethoden, welche übrigens