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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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430 XIII. Die Astronomie in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts.

die Forschung hat sich gleichwohl nicht damit begnügt, sondern denNachweis angetreten, daß nicht alle Meteoritenschwärme ohneweiteres mit Kometen identifiziert werden dürfen. Es war haupt-sächlich v. Nießl, der darauf hinwies, daß nicht selten Meteor-systeme direkt ans dem Weltraume iu unser Planeten-system eindringen. Auch jene halbjährige Periode derSrernschnnppenfreauenz, die A. Herschel, der Sohn undEnkel je eines der hervorragendsten Astronomen, schon im Jahre1864 wahrnahm, läßt sich nach G. Bompas nur verstehen, wennman zugiebt, daß viele Meteore mit unabhängiger kosmischer Ge-schwindigkeit zu uns gelangen. Allein sollte deswegen Schiapa-rellis Gedankengang, dem man doch greisbar richtige Ergebnisseverdankte, sür falsch erklärt werden? In seiner Polemik gegenNewton warf v. Nießl das entscheidende Wort in die Diskussion:Sollte es uicht am Ende zwei ganz verschiedene Kate-gorien von Meteoriten geben? Schiaparelli selber hat dieFrage sür diskutabel erklärt,ob die Sternschnuppen und dieMeteoriten ein und derselben Klasse angehören", nnd auch Denningnahm für jene besonders hellen, einen Lichtschweif nach sich ziehendenIndividuen, die man Feuerkugeln zu nennen Pflegt, eine Aus-nahmestellung in Anspruch. Umsichtig hat Berberich das Stadiumgekennzeichnet, in welches die Meteoritenlehre zn Beginn der neun-ziger Jahre eingetreten war, nnd in dem sie sich der Hauptsacheuach auch jetzt noch befindet. Es giebt zwei grundverschiedeneGruppen von Meteoriten ; solche, die sich mit planetarischerGeschwindigkeit bewegen, nnd die sich der SchiaparellischenTheorie unterordnen, aber auch solche, deuen kosmische Ge-schwindigkeit eignet und die, ohne mit Kometen etwas zu thungehabt zu haben, unser Sonnensystem zu dnrchdringen suchen, wasvielleicht den einen gelingt, während wieder andere in den Bahn-kreis eines Planeten eintreten und dessen Schwerewirkung anheim-salleu. Bezüglich der letztereu Gattung darf an eine Abschlenderungvon entlegenen Gestirnen im Sinne jener Hypothese vom kos-mischen Vnlkanismns gedacht werden, welche der MineralogcG. Tschermak (geb. 1836) als Ergänzung der bekannten Nebular-hypothese ausgebildet hat. Das 20. Jahrhundert übernimmt die