434 XIII. Die Astronomie in der zweiten Hülste deS Jahrhunderts.
begreiflicherweise gar sehr, wenn nicht zwei von den dreien demdritten gegenüber untergeordnet sind, sondern wenn, wie in derFixsternastronomie selbstverständlich, angenäherte Gleichberech-tigung zwischen den drei sich unausgesetzt anziehenden und störendenMassen stattfindet.
Auch ohne Zuhilfenahme der astrophysikalischen Methodenwächst die Anzahl der zwei- und mehrfachen Sterne beständig an.So konnte Burnham, der am 36-Zöller der Lick-Sternwartebeobachtet, solgeweise eine ganze Reihe von Verzeichnissen, indenen nene Objekte dieser Art aufgezählt werden, veröffentlichen.Ein Bnrnhamscher Doppelstern, früher als solcher nicht bekannt,zeichnet sich durch eine überraschend kurze Umlansszeit ans. Vahn-bestimmnngen in größerer Anzahl führte iu den neunziger JahrenS. v. Glasenapp (geb. 1848) ans. Man hat auch gefunden,daß ein dem Augenscheine nach doppeltes System in Wirklichkeitein mehrfaches sein kann; so fanden sich z. B. bei dem Sternen-paare 61 Cygni, das durch Bessels Parallaxenmessuug eineklassische Bedeutung erlangt hat, nnerklärbare Distanzäuderuugender beiden Komponenten, für welche Wilsing die Einwirkungunsichtbarer Partner verantwortlich machen zu können glaubt.
Nächst den mehrfachen Sternen haben von jeher auch dieSternhaufen die Aufmerksamkeit der Himmelsbeobachter ans sichgezogen; scheinbare Nebel, die aber vor der raumdurchdringendenKraft des Fernrohres in Ansammlungen dicht gedrängter Sternchensich auflösten. Die Plejaden, die Hyaden, die Nebelmasse imSchwert griffe des Perseus sind bekanntere Beispiele. Denletztgenannten Sternhausen haben Lamont, Krüger und 1878der später als Spektroskopiker berühmt gewordene H. C. Vogel(geb. 1842) genau beschrieben; von dem altbekannten Siebengestirneliegen gute Zeichnungen nnd Mikrometermessnngen von Tempelnnd C. Wols in Paris vor. Eine mustergültige Monographieüber eine solche astronomische Individualität ist diejeuige, welche1874 F. R. Helmert (geb. 1843) über einen Sternhaufen imSobieskyschcn Schilde geliefert, und ähnliche Arbeiten wurden inden achtziger Jahren von H. Schultz (1823—1890), K. W. Valen-tiner (geb. 1845) und Peter ausgeführt. Der jüngsten Vergangen-