Druckschrift 
Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
443
Einzelbild herunterladen
 

Eigeubewegurigen auf der Svnne.

443

an v. Zach gerichteten Briefe die Frage auf,ob die Flecke blos',der Rotation der Sonne folgen oder noch eine eigene Bewegung,eine Veräuderuug auf der Sonne selbst haben". Später habe»Boehm und E. Laugier (18121872) denselben Gedanken an-gedeutet, und C. H. Peters sprach ihn sogar (18öS) bestimmteraus, aber diesen Gelegenheitsaussprüchen fehlte jeder Nachhall, uuderst Carringtons Werk von 1863 stellte als über jeden Zweifelerhaben fest: Die Sonnenslecke behalten nicht durchausdieselbe heliographische Breite,'hern sich vielmehr ge-legentlich dem Sonnenäquatvr nnd entfernen sich wiedervon ihm. Von Carrington selbst und ebeuso vou Spoerer,H. A. E. Fähe (geb. 1311) uud I. Plaßmaun in Münster sindzur Darstellung dieser spontanen Bewegungen, die wir Wohl mitden atmosphärischen Bewegungen nnserer Erde zu parallelisierenein Recht haben, empirische Formeln ausgestellt worden, d. h.mathematische Ausdrücke, die uicht aus eiuer Verkettung theo-retischer Schlüsse entspruugen, sondern lediglich den angesammeltenErsahrungsdaten mit Hilfe der Wahrscheinlichkeitsrechnung ange-paßt sind uud nur so lauge als giltig betrachtet zu werden ver-langen, als nicht etwa neue Beobachtungen eine durchaus ver-änderte Sachlage schaffen. Weit weiliger variabel sind, wie Wil -sing fand, die Sonnenfackeln, die Örtlichkeiten vermehrterHelligkeit auf der Sonnenoberfläche, auf dereu Verwendung zurBestimmung desTages " der Sonne sonach erhöhtes Gewichtzu legen wäre. Der genannte Astronom sand so diesenTag"gleich 25,228 Erdentagen. Übrigens ist die Eigenbewegung nachN. C. Duner (geb. 1839) nicht ans die Flecke beschränkt, sondernbetrifft auch leuchtende Pnrtieen der Sonnenoberfläche, am wenig-sten eben die Fackeln, und nicht alle Zonen weisen einen gleichenGrad von Unruhe auf. Aus Spoerers zahlreichen Veröffent-lichungen kauu man abnehmen, welche Sonneugürtel im allge-meinen dnrch eine ausgesprochene Beweguugstendenz, uud welchedurch relativ andauernden Ruheznstand man denke nur an dieKalmenregion der Erde charakterisiert sind. Es bedarf kaumeiuer Hervorhebung des Umstandes, daß, ganz abgesehen von denFlecken, die erwähnten Strömungen anch Temperaturstand