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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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XIV. Die Astrophysik,

doch vielleicht auch auf der Erde dieser anscheinend charakteristischeSonnenstvff nachgewiesen werden könnte. Seit 1890 war in eineinvon A. E. v. Nordenskiöld dargestellten Minerale, welches nachdem Chemiker Cleve den Namen Cleveit empfing, von Hille-brand ein Gas ermittelt worden, das zwar mit Stickstoff vieleÄhnlichkeit hatte, nachgerade aber von W. Ramsay (geb. 1852)als ein selbständiges Element erkannt und, weil es zum Eingehenvon Verbindungen äußerst schwerfällig ist, dasträge", Argon ,zubenannt wurde. Näheres über diese Entdeckung, die durchausnicht vereinzelt blieb, hat der spätere, der Chemie bestimmte Ab-schnitt darzulegen. C. Runge hatte die ebenfalls gelbe Argon-linie in eine Doppellinie aufgelöst, und ein Gleiches geschah durchHuggins und G. E. Hale bezüglich der Heliumlinie v,. Letztereist nicht auf die gewöhnliche Chromosphäre eingeschränkt, sondernoffenbart sich auch in den Protuberanzen. Durch diese Kon-statierung wurde also zugleich die innige Verwandtschaft vonHelium und Argon, welch letzteres überaus leicht, nur wenig überzweimal spezifisch schwerer als das leichteste der bekannten Gase(Wasserstoff) ist, erwiesen. Man dnrfte gleich hoffen, daß auchjene helle grüne Koronalinie, welche W. W. Campbell undC. F. Crocker bei der totalen Sonnenfinsternis des 22. Januar1899 auffanden, zur Entdeckung eines neuen Elementes verhelfenwerde, denn unter den bisher bekannten war keines, dessen Existenzsich im Spektrum durch eine solche Linie verriet.

Man erkennt, die Forschung uach der chemischen Beschaffen-heit der Sonnengase hat ihre Anstrengungen gerade in den letztenJahren des Jahrhunderts durch die schönsten Erfolge gekrönt fehendürfen. Aber auch das Studium der physikalischen Vorgänge ansder Sonne ist nicht zurückgeblieben. Um zunächst mit dem nor-malen Aussehen der von Flecken und Fackeln freien Oberflücheanzufangen, sei bemerkt, daß seit den achtziger Jahren die Gra-nulation derselben, die Secchi bereits zehn Jahre zuvor sorg-fältig beschrieben hatte, durch Spektroskop und Photographie eifrigererforscht wurde. Des römischen Astronomen großes WerkDieSonne", von dem H. Schellen (18181884) eine vorzüglichedeutsche Ausgabe (1872) veranstaltet hat, suchte zuerst die Ansichten