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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
459
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Meteorologische Deutung der solaren Zustande.

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über diesen Zerfall der bei geringerer Vergrößerung undifferentiierterscheinenden Lichtmatcrie zu klären: Hnggins nannte diesekleinsten, sichtbaren Einzelbestandteile, die Atome, wenn man sowill, Körner, während dieselben von Dawes mit Strohhalmen,von Nasmyth mit Weiden blättern verglichen wurdeu. Dochlöste mau später, wie Newcomb im Jahre 1883 hervorhob, auchdie Weidenblätter in noch kleinere Körner auf, und zwar wareubei diesem Zerlegungsakte vornehmlich die Photogramme vonJanssen undLangley beteiligt. Eiu Weidenblatt hat imMaximumeine ungefähre Absolntbreite von 800 km, wird aber durchschnittlichetwas weniger ausgedehnt sein. Ausgehend von der höchst wahr-scheinlich generell zutreffenden Annahme, daß die Morphologieder Sonnenoberflächc eine zu allererst meteorologischeDeutung ihrer Phänomene erheischt, hat I. Scheiner un-längst eine sehr plausible Hypothese über die Sonneukörnung auf-gestellt.Ich betrachte," sagt er,die hellen Körner der Photo-sphäre als die durch vermehrte Kondensation sichtbar gewordenenWellenberge sich durchkreuzender Wellensysteme." Wir werden inBälde erfahren, daß diese Erklärung gilt zu einer anderen stimmt,welche sich auf die Flecke und Fackeln bezieht. Diesen stärkerenUnterbrechungen der Lichthomogeneität auf der Sonne wenden wiruns jetzt zu.

Vou neueren Versuchen, die Sonnenflecke gemäß dem durchdie Spektralanalyse geschaffenen nenen Standpunkte, von dem ausalle solaren Geschehnisse betrachtet werden müssen, zn begreifen,ist uns bis jetzt lediglich derjenige G.Kirchhoffs bekannt geworden.Er brach, wie wir sahen, bewußt mit der Wilson-HerschelschenTheorie, und diese wird anch durch die Bemühungen eines so ange-sehenen Astrophysikers, wie es der Sizilianer wenn auch geboreneModeneser A. Riccö (geb. 1844) ist, schwerlich mehr zu neuemLeben erweckt werden können. Denn derselbe operiert doch (1897)hauptsächlich mit der schon von Secchi überzeugend nachgewiesenen,auch aus seinen eigenen vieljährigen Beobachtungen hervorgehendenThatsache, daß die Flecke zumeist eine Tiefenparallaxe zeigen,also wirkliche Einsenkungen darstellen, wogegen umgekehrt denFackeln eine wirkliche Austreibung, eine Erhöhung der leuchtenden