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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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XIV. Die Astrophysik.

weist, soust aber dem vorgenannten verwandt ist, von der entgegen-gesetzten Seite her einzufallen scheint. Bei aller Verschiedenheitdrücken sich jedoch in diesen Spektren selbständig leuchtendeHimmelskörper, Sonnen, aus, die untereinander sehr großeÄhnlichkeit haben und sich vorwiegend nnr durch die Beschaffenheitihrer Photvsphäreu unterscheiden mögen. Huggins hatte damalsbereits den Satz ausgesprochen, daß die Stern färbe nicht alseine dem Lichte des Himmelskörpers inhärente Eigenschaft, sondernals eine Folge der in der Sternatmosphäre sich vollziehenden selek-tiven Lichtverschluckung zu gelten habe, nnd diese Thatsache würdeauch nach der 1880 an ihr angebrachten Korrektur E. S. HoldenS(geb. 1846) bestehen, der zufolge bei den Doppelsternen die Artder verschiedenen Färbung auch auf eine verschiedene Natur derKomponenten hinzeigen kann. Zoellner freilich trat gegen Hug-gins auf und wollte die Farbe auch als entwicklungsgeschicht-liches Moment gedeutet wissen, und diese Auffassung hat sichseitdem, trotzdem ihr zumal von angelsächsischer Seite vielfachwidersprochen wurde, sehr viele Anhänger verschafft, wie wir amSchlüsse dieses Abschnittes noch darlegen werden. Auch H. C. Vogeleignete sich, als er 1874 mit seiner eigenen Einteilung der Sternenach spektroskopischen Kriterien vorging, den von Zoellner aus-gesprochenen Grundgedanken an. Die beiden ersten GruppenSecchis nimmt Vogel nur als Unterabteilungen einer umfassen-den Hnuptgruppe an, so daß also wesentlich nur drei grundsätzlichvoneinander abweichende Typen übrig bleiben. Nachdem man ein-mal die Grundzüge festgestellt hatte, handelte es sich weiter darum,den ganzen gestirnten Himmel spektroskopisch zu durchsuchen undKataloge für die einzelnen Normalformen auszuarbeiten. Dunerin Luud gab einen solchen im Jahre 1884 heraus; die aufgenom-menen Sterne, durch ihre ausgesprochenen Bandenspektren charak-terisiert, gehören überwiegend znr dritten, zum geringeren Teilezur vierten Gruppe Secchis. Seitdem sind, wie Miß A. Clerkein ihrer Schrift?lrs L^stsme ok tlrs Stars" (London 1890)ausführt, zumal von I. Glaisher (18091874) noch weitereSpaltungen in Klassen versucht worden, indem zugleich Gewichtauf die Wahrnehmung gelegt ward, daß die Sterufarbe zur Lage der