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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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XIV. Die Astrvphysik,

kannt gegebenen Daten nicht mehr in allen Stücken jenen hohenAnforderungen an Genauigkeit entsprechen können, welche diePräzisionsarbeit der folgenden drei Lustren als erreichbar nach-wies. Gerade recht zur Signalisiernng des um die Jahrhundert-wende erreichten hoheu Standpunktes kam W. H. M. ChristiesVergleichung der Zahlen der eine Zone von 6° Deklinationsbreiteerfüllenden Fixsterne, wie sie sich einerseits bei der uns bekanntenBonner Durchmusterung der fünfziger Jahre und andererseits beider photographischen Abbildung der betreffenden Fläche gefundenhatten. Im ersteren Falle waren 9971, im zweiten 58170 Sternefixiert worden, nnd auf den sphärischen Quadratgräd entfielenjeweils etwa 6 und 70 Sterne. Das die geschichtliche Stellung derAstronomie bald nach 1800 kennzeichnende, auf Fraunhofer an-gewandte Wort ist zweifellos in noch weit höherem Maße zurDevise der im Zeitalter der Astrophotographie stehenden Wissen-schaft um 1900 geworden: Die Sterne wurden uns nähergebracht.

Das gilt ganz besonders auch für die doppelten und mehr-fachen Sterne. Dieselben besitzen, da sie ja Teile eines sich wechsel-seitig anziehenden Sternsystemes sind, eine ausgesprocheue Eigeu-beweguug, uud zu deren Messung hat man ganz vorzüglicheMethoden, die aber für jenen Zeitabschnitt versagen, in dem dieBerührungslinie der Bahnkurve angenähert durch das Auge desBeobachters geht. Wir haben jedoch erfahren, daß das DopplerschePrinzip, spektroskopisch interpretiert, ein durch nichts Anderes zuersetzendes Hilfsmittel gerade für die Ermittlung der Bewegn ngs-verhältuisse im Visionsradius an die Hand giebt. Einesolche Bestimmung hat A. Belopolsky (1393) für den einen derbeiden Sterne von 5 tlöreu1i8 vorgenommen. Das Sonnensystemwird, weil ja die Entseruuug Erde-Sonne den Fixsterndistanzengegenüber verschwindend klein ist, als Punkt betrachtet, und daergab sich, daß genannter Stern sich in der Stunde um etwa 9 geogr.Meileu von jenem Punkte entfernte. Nicht bloß die Spektral-analyse im engeren Sinne, sondern auch die Spektrophotographie,die ja die stattfindenden Ablenkungen der Streifen aus ihrer nor-malen Richtung dauernd festzuhalten erlaubt, mußte hierbei mit-