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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Klassifikation der Nebelflecke.

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zu werden; die Platte bewahrt sein Bild gleichwohl auf. Wahr-scheinlich sind diese Zentren allerdings keine echten Sterne, so wieetwa unsere Sonne einen solchen darstellt, sondern es sind nebel-hafte Verdichtungen von unregelmäßiger Form; es strahlennämlich vom Lichtzentrum zungenförmige Strahlen aus, die ge-legentlich auch den Kern mit einem sich um diesen herumlegendenRinge verbinden. Da nun dieses Licht sast nur violette und ultra-violette Strahlen enthält, so liegt die Vermutung nahe, die dieseStrahlengattung aussendende Masse sei in der Mitte des Nebelsmehr als in den übrigen Teilen konzentriert. Die nicht seltenbeobachteten raschen Änderungen in Aussehen und Lichtstärke desKernes sind dann, wenu demselben jedwede Solidität gebricht,sehr leicht verständlich. Auch das Spektrum des neuen Sternesim Fuhrmann, von dem oben die Rede war, hat eine gewisseÄhnlichkeit mit demjenigen eines Gasnebels.

Die Notwendigkeit, die ältere Einteilung der Nebelflecke inKlassen, wie sie ans den Beobachtungen am Spiegelteleskope derbeiden Herschel hervorgegangen war, dnrch eine zeitgemäßere zuersetzen, hat I. Roberts 1894 lebhaft betont. Ebenderselbe hateine Reihe neuer Spiralnebel, wie sie, nebenbei bemerkt, schonin den siebziger Jahren R. G. L. Plante (18341889) täuschendim Experimente nachzubilden lehrte, zu den bisherigen hinzu ent-deckt und deren nahe verwandtschaftliche Beziehungen zu den ge-wöhnlichen Nebelringen wohl außer Zweifel gesetzt. Von demberühmten Orion-Nebel hat Niccö in Catania nach 4^/.^ stündigerExpositionsdauer treffliche photographische Bilder erhalten, welchedie Überlegenheit derselben über die best gezeichneten Zeichnungenklar hervortreten lassen. Vor allem ist man in die Lage versetzt,über allsalsige Veränderungen in der Gestalt des Nebels ein trif-tigeres Urteil gewinnen zu können, als dies auf Grund der unterallen Umständen subjektiv beeinflußten Zeichnungen angängig ist,und so konnte gerade beim Orion-Nebel Picke ring 1896 beimVergleiche mit älteren Aufnahmen feststellen, daß keine irgendnennenswerte Veründernng des Aspektes platzgegriffen hatte.Einen physischen Zusammenhang des Nebels mit den inihm sichtbaren Sternen erachtet der amerikanische Astrophysiker

Günther, Anorganische Naturwissenschaften. 31