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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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XIV. Die Astrvphysik,

für höchst wahrscheinlich. Dies gilt namentlich für die den Süd-himmel schmückenden Magellanischen Wolken, in denen diePhotographie so viele Sterne nachgewiesen hat, daß sie Pickeringals weit entfernte Milchstraßensysteme bezeichnen konnte.

Die von je her gehegte Ansicht, daß es zerlegbare undnicht zerlegbare, d. h. eigentliche Nebel giebt, mnß auch jetztnoch aufrecht erhalten werden. Ganz gewiß sind aber auch dieseletzteren, dem Spektrum und den durch das Lichtbild vergleichbargemachten morphographischen Indizien nach zu schließen, keines-wegs alle im gleichen Entwicklungszustande. So befindet sich derAndromeda-Nebel, der ja auch durch seine Nova schon sozusagenein gewisses Eigenleben bekundete, den spektroskopischen Beobach-tungen Scheiners zufolge in einem vorgeschritteneren Stadium;er ähnelt den Spiralnebeln, nnd da von dieser Klasse schon vieledem Schicksale des Zerlegtwerdens anheimgefallen sind, so wirdsich auch das genannte Objekt in seinen gewundenen Schichtenwahrscheinlich noch als ein Analogon der Milchstraße entpuppen,wie ja auch Eastou bereits diese letztere, ihrer Öffnungen undVerzweigungen halber, als ein System von Spiralnebeln auf-zufassen riet. Wie verschieden jedoch auch die Nebelflecke im Hin-blicke auf ihre innere Struktur auch fein mögen in einemPunkte vereinigt sie eine gemeinsame Eigenschaft: Eine ungeheureEntfernung von unserem Sonnensysteme. Denn Wilsinghat überhaupt keine Spur einer Nebelparallaxe aufzudecken ver-mocht, und Pickering, der sich nicht ganz so skeptisch verhalt,veranschlagt immerhin die mittlere Distanz des Orion-Nebels aufeine Größe, deren zeitliches Äquivalent durch 1000 Lichtjahre ge-geben wäre!

Wie man sieht, hat die junge Disziplin der Astrophysik eSdoch bereits zu sehr achtunggebietenden Erfolgen gebracht. So hatsie denn auch mit Fug ein eigenes Organ erhalten, welcheswenigstens den Forschern britischer Abkunft als geistiger Sammel-platz dient, die Zeitschrift^stronom^ g,nä ^Ltroxll^sies".In Frankreich ist(Asl et ?6rre" wesentlich auch diesem Wissens-zweige zugewandt, uud nicht minder findet derselbe stattliche Ver-tretung in der von W. Meyer zu Berlin herausgegebenen, den