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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Neuere kosmogonische Hypothesen.

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gleichen TitelHimmel und Erde" führenden deutschen Monats-schrift. Auf dem Laufenden kann sich über die Vielzahl astro-physikalischer Errungenschaften der deutsche Leser dann halten,wenn er H. I. Kleins nach größter Vollständigkeit strebendesJahrbuch der Astronomie und Geophysik" uachliest, von dem zurZeit zehn Jahrgänge vorliegen, nnd das die Astronomie eben vor-zugsweise unter dem physikalisch-topographischen Gesichtspunktebehandelt. Unseren jungen Generationen aber hat, damit sie über-haupt auf dem in den Lehrbüchern der Sternkunde noch nichtimmer hinreichend berücksichtigten Gebiete heimisch werden konneu,W. Wislicenus ein sehr handliches nnd bequem zu studierendesLernmittel übermittelt, welches einen Bestandteil der wohlbekanntenGoeschenschen Sammlung (Leipzig 1900) bildet.

Wir haben zugesagt, anhangsweise in diesem Abschnitte aufdie Anschauungen zu sprechen kommen Zu wollen, welche sich diezweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, unter dem Eindrucke so vielerneuer, durch die vervollkommneten Beobachtungsmittel ermöglichterErgebnisse, von den knrz gesprochen kosmogonischen Vor-gängen erworben hat. Zu dem Ende wird sich eine Rückschauverlohnen.

Die Nebularhypothese vou Laplace, welche dieser große

Denker der vielfach recht ungenügenden, wenngleich ihres Urhebers

durchaus nicht unwürdigen Kosmogonie Kants substituiert hatte,

befriedigte in der ersten Hälfte des Jahrhunderts die nicht allzu

große Zahl Derer, welche sich überhaupt für solche etwas trans-

szendentale Gedankenarbeit interessierten, so ansgiebig, daß es nur

ausnahmsweise zu Reformversnchen kam. Die geistvoll erdachten

Experimente mit einem Oltropsen, der in einer Flüssigkeit von

gleichem spezifischen Gewichte zuerst in die Kugelform gebracht,

hierauf in Umdrehung versetzt und zur Abschleuderuug vou Ringen

und Satelliten veranlaßt ward, schienen den Ansichten Laplaces

zur willkommensten Stütze zn dienen, und I. A. F. Plateau

(18011883), der leider infolge seiner optischen Studien die letzten

vierzig Lebensjahre in Erblindung zubringen mußte, hatte durch

seine geistreichen Experimente für die Doktrin, nach welcher unser

Sonnensystem die fortschreitende Differenzierung eines ungeheuren

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