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XIV. Die Astrophysik,
Gasballes darstellen sollte, die wirksamste Propaganda gemacht.Nähere Prüfung mußte ja darüber ausklären, daß die Bedingungender Plateauschen Versuche grundverschieden von denen sind, unterwelchen nach Laplace die beiden allein thätigen Agentien, Schwer-und Zentrifugalkraft, gewirkt haben sollten, aber der Umstand,daß man im Vorlesungssaale einen täuschend ähnlichen Einblickin den Werdegang des Planetensystemes erzielt zu haben vermeinte,hals über diese Bedenken leicht hinweg. Noch in den siebziger undachtziger Jahren haben sich gewiegte Sachkenner, wie C. Wols,Ginzel und Ennis, durchaus anerkennend über die LaplacescheHypothese vernehmen lassen, ohne die mancherlei schwachen Stellenderselben, die aber doch verbesserungssähig erschienen, totzuschweigen.Eine ernste Gefahr drohte derselben erst von dem Zeitpunkte an,da Neivcomb für die Uranustrabanten, Tisserand undH. Strnvefür den Neptunmond, wie dies vorher angedeutet ward, den Nach-weis erbrachten, daß der Sinn, in dem diese Nebenplaneten umihren Hauptplaneten kreisen, nicht mit dem sonst allenthalben imSonnensysteme herrschenden Bewegungssinne übereinstimmt. Manhat diesem Bedenken aus verschiedene Weisen abzuhelfen gesucht, undes war insbesondere der ausgezeichnete Geophysiker G. H. Darwin (geb. 1845: des großen Eh. Darwin in seiner Art nicht minderbedeutender Sohn), welcher in der durch die Sonne aus den nochweichen Planetenmassen bewirkten Flutreibung eine Ur-sache dafür suchte, daß sich im Bereiche der äußeren Planeten,wo naturgemäß die fluterregende Anziehung des Zentralkörperssich minder energisch zu bethätigeu vermochte, die Rotationsverhält-nisse ganz anders als in der näher an der Sonne befindlichenEinflußsphäre gestalten müsse». Lhne aus. das Zwischenstadiumder Ringbildung einzugehen, welches bei Laplace und Plateaunoch als ein nicht zu umgehendes erscheint, mußte man die Heraus-bildung der Planeten aus der Urgaskugel von dem Zeitpunkte anzu erklären suchen, da man inne geworden war, daß das, wasman Satnrnring nennt, diese Bezeichnung, wie oben erörtert wurde,gar nicht verdient. Daß dies aber auch thunlich ist, bewiesA. G. D. Ritter (geb. 1826) in einer nach den verschiedenstenSeiten hin neue Wege eröffnenden Abhandlung, auf die uns einer