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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Neuere kosmogonische Hypothesen.

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der folgenden Abschnitte wieder zurückführen wird. Er zeigte, daß einGasball von der inneren Beschaffenheit, wie man sich den primor-dialen vorzustellen gezwungen ist, keineswegs an sich in stetemGleichgewichte verbleibt; es sindet vielmehr eine unaufhör-liche Pulsationsbeweguug, ein Wechselspiel von Kon-traktion und Ausdehnung, statt, und daß damit eine äqua-toriale Lostrennung von Ringen, die aber als solche nicht bestehenkönnen, sondern sich in kleine Kugeln auflösen müssen, verbundenist, wird zugestanden werden müssen.

Hierdurch wäre auch eine andere Schwierigkeit beseitigt, darinbestehend, daß dem Urgasballe eine selbständige Achsendrehung ver-liehen sein muß; wäre eine solche nicht vorhanden, so wäre auchnicht abzusehen, weshalb die Planeten und Monde, die sich folge-weise aus den mütterlichen Gaskugeln loslösten, sämtlich mit gleich-sinniger Rotation hätten begabt sein sollen. Man mnßte alsotrachten, diese ursprüngliche Drehbewegung angemessen zuerklären, und unter den mancherlei hierauf abzielenden Versuchensind besonders diejenigen von?.K.Braun und Faye beachtenswert.Ersterer ist im übrigen ein Anhänger der Laplaceschen Lehre,von der er nur das Ringstadium in Abrede stellt, und nimmt an,es habe am Anfange aller Dinge eine ganze Anzahl von Gas-bällen gegeben, denen infolge der gegenseitigen Anziehung auchtranslatorische Bewegung eigen gewesen sei. Indem dann zweisolche Bälle auf ihrer Bahn in exzentrischem Stoße aneinandergerieten, wurden Drehbewegungen ausgelöst. Auch die Spiral-uebel sollen Beispiele solcher Bewegung abgeben. Die Abtrennungder Planeten von der immer kleiner werdenden Zentralinasse undder Monde von den Planeten denkt sich Braun als die Folgeder Herausbildung lokaler Kondensationszentren, die eine selb-ständige Bewegung der in ihrer Nachbarschaft befindlichen Teilcheneinleiten würden. Faye feinerseits geht wieder mehr auf dieKantsche Grundanschauung zurück und setzt im Weltraume eineungeheure Anzahl kosmischer Partikeln als chaotisch gemengtund sich wechselsweise mechanisch wie chemisch anziehend voraus.In diesem Momente weicht die Fayesche Hypothese von der reinatomistischen ab, die zumeist den Ausgangspunkt zu bilden pflegt