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XIV, Die Astrophysik.
und von einer ursprünglichen chemischen Verschiedenheit der Kor-puskeln nichts wissen will. In der That wird aber auch garnichts geändert, wenn man den Weltenbaustoff sich homogen undchemisch unterschiedslos, in Form des einatomigen Gases, an-geordnet vorstellt. Indem nun die einzelnen Teilchen aufeinanderstoßen, kommen gleichzeitig progressive und gyratorische Be-wegungen zustande, und iudem stets eine Anzahl örtlicher An-ziehungszentren, die sich so gebildet haben, weitere Sammelpunktebilden, krystallisieren sich sozusagen die einzelnen Weltkörper ausdem Chaos heraus. Durch Betrachtungen, welche einigermaßenan diejenigen G. H. Darwins gemahnen, glaubt dann Faye dieNotwendigkeit der Entstehung zweier hinsichtlich des Drehsinnesverschieden gearteter Räume um den Zentralkörper herum erweisenzu können; für das Sonnensystem lüge die Grenzfläche zwischenden Bahnen von Saturn und Uranus , und diesseits derselben mußtesich nach lind nach der nämliche Sinn für sämtliche Partial-rotationen einstellen, während jenseits die rotatorische Anarchie)welche ursprünglich überhaupt herrschte, fortbestände. Man wirdzugeben müssen, daß Fayes Buch, welches der im hohen Greisen-alter stehende Autor im Jahre 1896 herausgab, einen Marksteinin der Entwicklung der kosmischen Ansichten abgiebt, und daß sichalle sonstigen Systeme, deren uns die neuere Zeit ziemlich viele,nnd darunter recht scharfsinnig erdachte, gebracht hat, mit dem-jenigen des französischen Astronomen auseinandersetzen müssen.Jedenfalls haben alle diejenigen Auffassungen der Weltenbildung,welche an Laplace anknüpfen, bei den Fachmännern, soweit diesejeder kosmogonischen Spekulation nicht grundsätzlich abweisendgegenüberstehen, viel mehr Anklang gefunden, als etwa LockyersMeteoritenhypothese, nach welcher, wie sich dies schon in dendreißiger Jahren der phantasievolle Gruithuisen zurechtgelegthatte, jeder Köper des Sonnensystemes das Resultat des Auf-einanderplatzens und Aneinanderhaftens zahlloser kleiner Weltkörpersein soll.
Wenn wir, ohne uns im einzelnen einer bestimmten Richtunganzuschließen, bloß generell daran festhalten, daß jeder einzelneHimmelskörper ursprünglich eine sphärische Gasmasse