Erklärung des LichtwcchselS.
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durch die ziemlich zahlreichen Arbeiten der folgenden Jahre schonwieder teilweise überholt worden, denn nirgendwo sonst ist dieGefahr raschen Veraltens für ein litterarisches Erzeugnis eine sogroße, wie gerade auf astrophysikalischem Gebiete.
Schon die ältere Zeit hatte als einleuchtendste Hypothese fürdie Erklärung der periodisch veränderlichen, d. h. dem Algol-typus einzuordnenden Sterne diejenige betrachtet, welche denUmlauf eiues dunklen Begleiters nm den hellen Haupt-stern als Ursache des Lichtwechsels gelten läßt. Neuerdings istauch von Pickering und Vogel diese Deutung des Hergangesangenommen worden, und gar manche Gründe wirken zur Unter-stützung dieser Anschauung zusammen. H. Bruns (geb. 1848)hat dagegen auf mathematischem Wege dargethan, daß regelmäßigesAn- und Abschwellen der Lichtintensität auch zu erklären ist, wennman annimmt, daß ein mit dnnklen Flecken an der Oberflächebehafteter, Heller Stern sich gleichmäßig um seine Achse dreht.Klinkerfues stellte sich auf einen ganz anderen Standpunkt;ihm zufolge siud die beiden nur wenig distanten Sterne, welcheein Doppelsystem bilden, von Atmosphären umgeben, in denen dasLicht stark absorbiert wird, und indem der eine der beiden Sterneauf die bewegliche Hülle des anderen attraktiv wirkt, kommt einelebhafte Ebbe- und Flutbewegung in jenen Atmosphären zustande,welche dem Lichte den Durchgang bald verstattet, bald wieder wehrt.Da Schiaparelli im Jahre 1882 Sterupaare von überausschneller Umlaufsbewegung um ihren Massenmittelpunkt entdeckthat, ist die Hypothese der atmosphärischen Gezeiten immerhin derBeachtung wert. Solche veränderliche Sterne freilich, in derenLichtschwankungen gar keine oder doch nicht eine mit strengerPeriodizität verträgliche Gesetzmäßigkeit zu Tage tritt, werden sichden soeben besprochenen Erklärungen uicht unterordnen lassen, undda hat man wohl ein Recht, mit E. Loomis (1811—1889) an eineregellos sich ändernde Bedeckung der lenchtenden Sternphotosphäremit erkaltenden nnd deshalb sür Lichtemission untauglich gewordenenMassen zu denken. Übrigens hat 1893 Duner, indem er denvariablen Stern Cygni untersuchte, sein ausdrückliches Ein-verständnis mit Vogels Theorie des Lichtwechsels von Algol-