496 XV. Die mechanischen Disziplinen in der neuesten Zeit.
Fingerdruck ist nämlich genügend, um dem frei beweglichenSphäroidejede willkürliche Stellung anzuweisen; sowie jedoch der Korper durchrasches Abdrehen einer Schnur iu Umdrehung versetzt ist, leistet erkräftigen Widerstand gegen die Hand, welche die Achse aus ihrerLage herauszubringen versucht. Das von Foucault erfundeneGyroskop thut denselben Dienst in noch vervollkommneter Weise.Hauptstück des Apparates, bei dessen Konstruktion der Erfindervon Froment unterstützt ward, ist wiederum ein Drehkörper, derdiesmal die Gestalt eines Torns hat, wie er durch die Umdrehungeines Kreises um eine außerhalb gelegene Gerade seiner Ebene alsAchse entsteht. Dieser Wulst ist sehr sinureich in eine Stellungvöllig indifferenten Gleichgewichtes gebracht, so daß ein Hanch ihnin Bewegung versetzt; auf die Platte der Rotationsmaschine ver-setzt, tritt er dagegen sofort in jenes Stadium ein, welches auchbeim Bohneubergerschen Maschinchen herbeigeführt werden konnte.Das Gyroskop dient aber dann weiter dazu, nachzuweisen, daß dieDrehungsachse, wenn die« Symmetrie irgendwie gestört ist, jenelangsame Bewegung längs der Mantelfläche eines Kegels antritt,welche ans der Astronomie als Präzessionsbewegung bekanntist. Ans noch einfachere Weise erreichte diesen Zweck (1853) dervon Plücker beratene Bonner Universitätsmechaniker G. Fessel(geb. 1821), dessen Rotationsmaschine in einer Metallscheibe mitgewulstetem Rande besteht, die innerhalb einer zweiten, ringförmigenScheibe in Umdrehung versetzt werden kann; letztere ist an einerhorizontalen Achse befestigt, die von einem vertikalen Pfosten ge-tragen und am anderen Ende durch ein Gegengewicht so belastetwird, daß vollständige Horizontalität gewährleistet wird. Sobalddann ein Übergewicht angehängt wird, setzt sich, während die Scheiberotiert, die Achse in die bekannte konische Bewegung. Sehr vieleMathematiker, unter denen wir insonderheit Aug. Schmidt undG. Hauck (geb. 1845) namentlich anführen wollen, haben sichspäter bemüht, die an den Rotationsapparaten wahrzunehmendenErscheinuugeu mit Hilfe elementarer Betrachtungen zu erklären.Auch von Poggendorff und von Magnus, sowie von denEngländern Wheatstoue und Baden Powell (1796—1860)ist an der Verbesserung der Vorrichtung und der Beweismethoden