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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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Poinsots Rotationssymbvle,

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1372) veranstaltete Buchausgabe zugänglich geworden sind, erheb-lich für die praktische Verwertung ausgestaltet, so daß es sich füralle Aufgaben eignet, in denen sich ein Punkt auf einer gegebenenFläche zu bewegen hat. Die Drehung der Körper um eineAchse forderte die Ausbildung der durch Huygens in die Wissen-schaft eingeführten Theorie der Trägheitsmomente und derfreien Achsen, und diese ward vornehmlich geleistet durchI. N. Haton de la Goupilliere (geb. 1833) im Jahre 1858 unddurch L. O. Hesse (18111874), der 1861 eine dnrch ihre muster-giltige Formenschönheit ausgezeichnete und in mathematischer Hin-sicht abschließende Lösung für das Hauptachsenproblem erbrachte.Weit schwieriger und insbesondere sehr viel unübersichtlicher wirddie Sachlage bei der Drehung eines starren Körpers nmeinen festen Punkt. Hier griff Poinsot, der schon durch seineKrüftepaare, wie wir erfuhren, ein höchst wertvolles Verdeut-lichungsmittel geschaffen hatte, mit einer neuen Systematik ein;seine zweite und umfänglichere -Veröffentlichung darüber datiertaus dem Jahre 1851. Er zeigte, daß die Bewegung eines un-veränderlichen Systemes, möge sie nach welchen Gesetzen immer sichrichten, ersetzt werden kann durch das Abrollen eines mit dembewegten Punkte fest verbundenen Kegels auf einem mitTranslationsbewegung begabten Kegel, der die gleicheSpitze hat. Letztere fällt mit dem als fest vorausgesetzten Punktezusammen. Auf dem geometrisch zu konstruierenden Zentral-ellipsoide entstehen so zwei Kurven, nach Poinsot die Polodie^Polweg") und Herpolodie (Kriechweg" des Poles); die ersteist doppelt gekrümmt, die zweite eben, und zwar rollt letztere be-rührend auf der Polodie hin. Durch die Verzeichnung dieser beidenLinien ist die au sich immer verwickelte Bewegung des Systemesvollkommen veranschaulicht worden. Aber auch die Analysis hatsich dieser Hilfsvorstcllnngen bemächtigt, nnd der bedeutendstedeutsche Mathematiker der neuesten Zeit, W. Th. K. Weierstraßin Berlin (18151897), gab in den sechziger Jahren die voll-ständige Entwicklung der einschlägigen Formeln. Neuerdings hatE. Heß in Bamberg in einer Reihe von Abhandlungen das Wesendieser Rollbewegung nach allen Seiten studiert; dieselbe ist nament-