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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Theorie und Nutzbarmachung der Reibung.

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rollen, die man überall anbringt, wo es ans eine möglichste Ver-minderung der Widerstände ankommt, und an das von BaronProny erfundene Bremsdynamometer, das bei Motoren allerArt den wirklichen Nntzcfsekt bequem zu ermitteln erlaubt. Über-haupt braucht kaum betont zu werden, daß beim Bremsen dieReibung immer die Hauptrolle spielt, wenn auch die Vorrichtungen,mittelst deren man ein in rascher Bewegung befindliches Fahrzeugzum Stillstande zu bringen sucht, denkbarst verschiedener Natursind. Uralt sind die Handbremsen, welche durch Hebeldruck dasAnpressen eines Bremsstückes an das Rad ermöglichen, so das; alsodie bisherige rollende in die bei Vergrößerung der Reibflächen ungleich energischer wirkende gleitende Reibnng umgewandeltwird, aber zumal die modernen Bahnzüge bedürfen der konti-nuierlichen Bremsen, sei es daß eine KettentrommelSystem Heberlein, der Prozeß des Luftsaugens SystemeKoerting und Clayton oder endlich der Luftdruck SystemeCarpenter, Schleifer, Westinghouse die den Bremsdruckauslösende Ursache darstellt. In eurem monographischen Werke(Wiesbaden 1886) hat A. Frank die überaus vielseitigen Bethäti-gungen des Bremsprinzipes auseinandergesetzt. Bei den Eisenbahn-Verwaltungen scheint zur Zeit die Westinghonse-Bremse denbereitwilligsten Eingang gefunden zu haben.

Was über die physikalische Atomenlehre zu sagen ist, wirdzweckdienlich erst später in Betracht gezogen werden, und nurzwei Abteilungen der Molekularphysik sester Körper haben unsschon hier zu beschäftige!?. Beide stehen nnter sich in der aller-engsten Beziehung: die Lehre von der Elastizität und von derFestigkeit. Wir erfuhren, daß in der ersten Hälfte des Jahr-hunderts W. Wertheim, der leider fchon 1861 den freiwillig ge-suchten Tod fand, sich um die Erforschung der Elastizitätsverhält-nisse besondere Verdienste erworben hat, und diese Experimentalunter-suchungen ziehen sich auch noch dnrch die sünfziger Jahre hin. Vonbesonderem Belange ist seine Revision der von Coulomb für dieTorsionselastizität angegebenen Gesetze (1857), beruhend aufunmittelbarer Messung des von seinem Vorgänger indirekt ansder Schwingungsdauer erschlossenen Torsionswinkels, und auch die