Druckschrift 
Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
532
Einzelbild herunterladen
 

532

XV. Die mechanischen Disziplinen in der neuesten Zeit.

daß ein stationärer Zustand der Gasverdichtung, wennüberhaupt, so erst nach Umslnß einer sehr langen Zeit erreichtwerden könne, daß aber Druck- und Temperatnründerungen keinenwesentlichen Einfluß ans den einmal erreichten Adhäsionszustandausübten. Mit Fug ist man zugleich darauf verfallen, von dereigentlichen Absorption, kraft deren Gasteile in das Inneredes absorbierenden Körpers gelangen, die als eine reine Ober-slächenerscheinung zu definierende Adsorption zu unterscheiden,deren Gesetze uamentlich W. Müller-Erzbach (geb. 1839) unter-sucht hat. Seinen Untersuchungen von 1891 zufolge wirkt dieAdsorption sogar, dem Magnetismus und der neuerdings erforschtenstrahlenden Energie vergleichbar, dnrch eine selbstredend sehrdünne Fremdkörperschicht hindurch, welche für diemolekularenKraftstrahlen" kein Hindernis darstellt. Ob man im Rechte ist,deshalb wirklich schon von der Fernewirkung einer Molekular-kraft zu sprechen, mag dahingestellt bleiben, da doch eine Über-mittlung des Impulses von Teilchen zu Teilchen nicht ganz ans-geschlossen erscheint. Jedenfalls ist aus allem zu folgern, daß selbstdie undurchlässigsten, wenigst porösen Stoffe für Gase, und zwarauch für solche in liqnidifiziertem Zustande, nicht völlig imper-meabel sind, daß aber der Widerstand, der dem Eindringling ent-gegengesetzt wird, mit der Entfernung von der Oberfläche, und alsoauch mit der Zeit, sich steigert. Weiteres gehört bereits ganz undgar in die eigentliche Molekularphysik.

Was die Ausströmung der Gase anlangt, so hat mansich überzeugen müssen, daß dieselbe eine vielfach andersartige wird,wenn der Druck, unter dem das Gas steht, sehr hohe Werte an-nimmt. Es erhellt dies schon daraus, daß der bei Gasstrahlen,ebenso wie bei Flüssigkeitsstrahlen, hervortretende Kontraktions-kosffizient, wie A. F. Fliegner (geb. 1842) in seinen von 1871an durchgeführten Versuchen feststellte, einerseits von der Größeder Müudung, wie andererseits vom Verhältnisse der äußeren zurinneren Pressung abhängt, und wenn mithin letztere über dasnormale Maß hinaus wächst, so können die Konsequenzen nichtausbleiben. Seit man sogenannte Druckluftanlagen besitzt, kannman die Bedingungen des Ausströmens der ungemein stark kom-

/