Pneumatische Kraftäußerungen,
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primierten Luft mit größerer Sicherheit und Bequemlichkeit er-mitteln, so wie dies Recknagel — an der Hand der großartigenmaschinellen Einrichtungen der Firma Riedinger in Augsburg —und R. Emden (1899) wirklich gethan haben. Wie ein solchesDruckluftreservoir herzustellen sei, erläuterte Gutermuth im Jahre1892, iudem er dabei die Verhältnisse der Stadt Offenbach alsBeispiel wählte. Komprimierte Luft ist, vou ihrem physikalischenInteresse abgesehen, der mannigfachsten technischen Verwendungenfähig. Schon in den vierziger Jahren hatte man in England atmosphärische Eisenbahnen gebant, indem man das Vehikel,welches Menschen oder Pakete beförderte, in einen genau an-schließenden Zylinder einfügte und durch einseitigen Drnck mitgroßer Geschwindigkeit durch die Röhre hindurch beförderte. DieRohrposten großer Städte arbeiten noch heute völlig uach demgleichen Systeme. Aber auch Passagiere wurden zuerst 1864 inRammells Druckluftbahn durch den Park des Sydenhamer Krystall-palastes gefahren, und auch in Amerika hat diese Art der Be-förderung Nachahmuug gefunden. Dagegen ist man seitens derSchweizer Ingenieure nicht an die Verwirklichung des Planesherangetreten, welchen E. Locher für eine zum Gipfel der Jung-frau führende pneumatische Bahn entworfen hatte, sondern entschiedsich für die — jetzt in der Ausführung begriffene — Kombinationvon Zahnrad- und Adhäsionsbahn. Die pneumatische Kraft-übertragung findet ihre Stätte, wenn es gilt, kleinen gewerb-lichen Betrieben von einer Zentrale aus billige Kraft zuzuführen,ferner bei bergmännischen Fördermaschinen, bei Taucherglocken undbeim Einsenken von Caissons zum Unterwasserban, vor allem aberbei der Tunnelbohrung, wo sich allerdings jetzt die direkt ver-flüssigte Luft der bloß verdichteten den Rang abzulausen anschickt.Freilich geht durch Undichtwerden der Röhren und andere störendeUmstände sehr viel Energie für den beabsichtigten Zweck verloren,aber während noch bei der Durchbohrung des St. Gotthard dieKompressoren uur etwa den halben Wert des theoretisch be-stimmten Effektes als thatsächlichen Nutzeffekt lieferten, ist durchdie Bemühungen A. Riedlers, eines der ersten unter den Ma-schineningenieuren der Neuzeit, das Verhältnis ganz erheblich