Druckschrift 
Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
544
Einzelbild herunterladen
 

S44

XV. Die mechanischen Disziplinen in der nenesten Zeit.

sich reden gemacht; Pouillet hatte 1849 einige einschlägige Beob-achtungen dem Publikum vorgelegt und dabei erinnert, daß schonseit 1751 die Beeinflussuug des Bewegungszustandes sehr leichtbewegbarer Systeme durch Wärmestrahlung einen hänsig wieder-kehrenden Artikel in den gelehrten Zeitschriften gebildet habe.Desungeachtet machte erst Crookes' neuer Apparat, Radio-meter genannt, wirkliches Aufsehen, und zwar nicht bloß in spezifischwissenschaftlichen Kreisen. Ein mit Platin-, Holz- oder Glas-kügelcheu au seinen Enden beschwerter Strohhalm ist in seinemSchwerpunkte an einem Fadeu befestigt; das Ganze steckt in einerden Luftzug abhaltenden, mit verdünnter Luft gefüllten Glasflasche.Je nachdem man kalte oder warme Körper in die Nähe der letzterenbringt, zeigt sich Anziehung oder Abstoßung, die in einer Dreh-bewegung des Stäbchens im einen oder anderen Sinne erkennbarwird. Tait und sein engerer Landsmann I. Dewar (geb. 1842)suchten die Besvuderheiteu der Bewegung einer solchen Licht-mühle, wie der populäre Name lautet, durch den Stoß derMoleküle des im Gefäße enthaltenen Gases gewöhnlich Luftzu erklären, während F. Neesen (geb. 1849) in der Umdrehungbloß eine Reaktionserscheinung erkennen wollte. Wie bei derSegnerschen Turbine der Rückstoß des Wassers die Drehbeweguugeinleitet, so sollen im Falle der Lichtmühle die an den erwärmtenFlächen der beiden Endkörper deren Rückgang bewirken. Zo ellnerfreilich hielt (1877) die Aktion dieser theoretisch allerdings vor-handenen Störungen für viel zu unbedeutend, um eine so rascheWirbelung der Flügel hervorrufen zu können; er selbst neigte dervon O. Reynolds und G. Govi (1826 1889) herrührendenHypothese zu, daß im Reaktionsstoße der zuerst absorbiertgeweseneu uud durch die Erwärmung heraustretendenGase die bewegende Ursache zu suchen sei. Auch elektrischeErkläruugsweisen sind mehrfach in Anregung gebracht worden.A. Schuster (geb. 1851) stellte 1876 fest, daß, wenn man dendie Drehwage enthaltenden Glasballon in Wasser setzt, derselbeeine selbständige Umdrehung in einein der des Wagebalkens ent-gegengesetzten Sinne zn machen anfängt, was nach dem Gesetzevon der Gleichheit zwischen Wirkung und Gegenwirkung nur so