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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Bestimmung der Größe von Gasmolekülen,

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hältnis der Dichteil sei, die dem betreffenden Stoffe im festeil undim tropfbaren Zustande zukommen. Weiterhin bewies er, daß derDurchmesser des kugelförmigen Teilchens dem achtfacheil Produkteaus Weglänge lind Verdichtungsfaktor gleich sei, und da dieseletzteren beiden Werte erhältlich sind, so trifft ein gleiches zu fürdie Große, auf welche es ankommt. Wenden wir wieder die Be-zeichnung Mikron (gleich 0,001 wm) an und bezeichnen 1 Mikron,wie es gemeiniglich geschieht, mit so ist z. B. für Schwefel-wasserstoff, Chlor und Kohlensäure der Moleküldurchmesser durchnachstehende Werte gegeben: 0,0089 0,0096 und 0,0114Etwas größer fallen die Zahlen aus, wenn nach den einen ganzanderen Weg einschlagenden Methoden von Dorn und I. D. vander Waals (geb. 1837) Verfahren wird. Endlich hat O. E. Meyeranch die Zahl der Teilchen nnd deren mittleren Abstandzahlenmäßig darzustellen gelehrt. Einen ersten systematischen Ab-schluß gab der gleiche Forscher der kinetischen Gastheorie durchsein gleichnamiges, im Jahre 1877 herausgegebenes Werk, welchesseitdem, so mannigfach sich auch Gelegenheit zu weiteren Dis-kussionen ergab, das Fundament für Untersuchungen auf verwandtenGebieten bildet. Namentlich hat sich das Bündnis zwischen Kinetikund mechanischer Würmetheorie immer mehr befestigt.

Doch ist freilich noch keineswegs ausgemacht, daß jene winzigenKörperchen, mit deren Größe, Menge und Bewegung uns diemoderne Gastheorie bekannt geinacht hat, wirklich als untersteGrenze der mechanischen Teilbarkeit von der Zerfällnngder Moleküle in Atome ist hier abzusehen zu betrachteu wären.Gewisse Strahlungserscheinungen, mit denen man in aller-nenester Zeit sich zu beschäftigen begann, und deren Erörterungdem nächsten Abschnitte vorbehalten bleiben muß, lassen die Möglich-keit offen, daß kleinste materielle Teilchen den Raum durchwandern,gegen die gehalten ein Wasserstofsatom noch als ein ganz respek-tables Stück Materie angesehen werden müßte. Zu Studien dieserArt hat teilweise ein kalorisches Experiment der siebziger Jahreden Anstoß gegeben, welches noch heute nicht als ein endgiltiggeklärtes gelten kann. Gelegentlich hatten Wahrnehmungen, wiesie 1873 W. Crookes (geb. 1832) machte, schon viel früher von