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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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546 XV. Die mechanischen Disziplinen in der neuesten Zeit.

auf Übereinstimmung und Vergleichbarkeit ankommt, liegen ihr ob.Alle ärztlichen Wärmemesser sind dortselbst sozusagen geaicht, undneuerdings geht auch von da eine kräftige Initiative aus, umallenthalben endlich die Celsins-Skala zur Durchführung undAnerkennung zu bringen. Die Herstellung geeigneten Thermo-meterglases läßt sich besonders das berühmte optische Institutvon K. Zeiß (18181888) in Jena angelegen sein, dessen wissen-schaftliche Leitung iu den Händen des auf dem Gebiete der höherenOptik überaus thätigen Mathematikers E. Abbe (geb. 1840) liegt.Man erzcngt hier Glas, welches von der schädlichen thermischenNachwirkung einem Gegenstücke zn der uns bekannten elastischenNachwirkung so gut wie völlig frei genannt werden darf;Wiebe hat 1886 das aus Kieselsäure, Natron, Zinkoxyd, Kalk,Thonerde und Borsäure in genau abgeglichenen Mischungsverhält-nissen zusammengesetzte Jenaer Normal - Thermometerglasgenan beschrieben. Für sehr hohe Temperaturen muß man diePyrometer zu Hilfe nehmen, die teils das Prinzip des Luft-thermometers, teils dasjenige der elektrischen Widerstands-messung zur Norm genommen haben. Unter denen der letzterenGattung ist die von William Siemens (18221883) eingeführteKonstruktion die beliebteste. Die nach dem Vorgange von J.Prinsep(17991840) gearbeiteten Metallpyrometer sind später etwasaußer Kurs gekommen. Auf das Feld exaktester Messung suchtesodann der Amerikaner Ch. Barus (geb. 1850), der auch längereZeit in Deutschland thätig war, die Pyrometrie in einem selb-ständigen Werke (Die physikalische Messung und die Behandlunghoher Temperaturen", Leipzig 1892) hinüberzuführeu. Die Be-mühungen um Festsetzung einer passenden Wärmeeinheit, andenen sich besonders E. Warburg beteiligte, werden hoffentlichbald vom Erfolge gekrönt werden.

Mannigfaltige Fäden verknüpfen miteinander Wärmelehre undAkustik. Als wir von der Fortpflanzung des Schalleshandelten, hatten wir von der Thatsache Akt zu nehmen, daß dieNewtonsche Formel die fragliche Konstante unrichtig lieferte, unddaß eine Korrektur erst durch Laplace augebracht wurde, dererkannt hatte, daß das Verhältnis der spezifischen Wärme