Druckschrift 
Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
551
Einzelbild herunterladen
 

Nokale! Kombinationstvne,

551

Helmholtzschen Vokalversuche, deren Ergebnis die Auffindung vonfünf den Vokalen zugeordneten Obertönen war; in ihnen ist, wennKoenig recht hat, die Ursache des Umftandes zu suchen, daß dasmenschliche Sprachorgau in allen Idiomen es immer nur zurBildung der nämlichen fünf Selbstlauter bringt und gebrachthat, obschon der Stimme von Hause aus die Fähigkeit zukomme,eine unbeschränkte Anzahl solcher Laute zu bilden. Eine Kom-promißtheorie von Auerbach, welche in jedem Vokaltlange zweiElemente unterscheidet, von denen nur eines, das absolute, derNachbildung ohne Mitwirkung der menschlichen Stimme fähig seinsoll, hat Unterstützung gefunden; über das neuere Verfahren wirdweiter unten berichtet werden. Daß aber die Resonanz in derMundhöhle den Vokalcharakter wenigstens mit bedingt, kann alseine anerkannte Wahrheit gelten.

Einen weiteren, sehr wesentlichen Fortschritt bedeutet dieHelmholtzsche Erklärung der Kombinationstöne, deren Er-forschung seit 1856 einen der von dem großen Physiker sich selbstvorgezeichneteu Programmpunkte bildete. Von den beim Zusammen-klingen verschieden hoher Töne hörbar werdenden Schweb nngen,die als reine Jnterferenzerscheinungen aufzufassen sind, wurdendie Differenz- und Summentöne unterschieden, die sich alsstörende Stoße bemerklich machen und das feinere Gehör empfindlichbehelligen. Der Nachweis ihrer Existenznotwendigkeit gestaltetesich zuerst rein mathematisch, indem die gewisse trigonometrischeFunktionen enthaltende Gleichung für den Weg aufgestellt ward,um welchen der angegriffene Masseupunkt im elastischen Mittelaus seiner Ruhelage abgelenkt wird; R. Koenig erbrachte 1876mittelst des Stimmgabelversuches eine überzeugende Demonstrationfür dieSummeutöne, und noch umfassender that dies 1885R.Weber(geb. 1850) vermöge seiner elektrischen Sirene. Nun fehlte abernoch der anatomisch-physiologische Beleg dafür, daß das die Schall-wellen aufnehmende und zum Zentralsitze der Empfindungen fortleitende Organ von der Natur für die Rezeption solcher WellenÜberlagerungen befähigt gemacht worden ist. Hier war wiederumHelmholtz in seinem Elemente, deun ihm dankt man die erstegenaue Interpretation der Funktionen, welche dasCortische