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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
550
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S5V XV. Die mechanischen Disziplinen in der neuesten Zeit.

vorzunehmen, durch geeignete Bewaffnung in den Stand fetzenkann, feine Aufgabe besser, zu lösen. Gemeint sind Helmholtz'Resonatoren, Glaskugeln, die man, da an einer Stelle einekonische Ose angeblasen ist, leicht in engste Berührung mit demGehörgange bringen kann. Dieselben sind für einen bestimmtenOberton abgestimmt, d. h. es gerät die in ihnen eingeschlosseneLuftmasse durch diesen Ton in eine besonders lebhafte Pulsation,und so wird der Oberton, der sonst in der Konkurrenz mit anderenLuftschwingungen undeutlich verklingen würde, klar und kräftigherausgehört. Mit Hilfe dieser Resonatoren bestimmte Helmholtz die Klangfarbe der Vokale, die er instrnmentell nachzubilden lehrte,und denen gegenüber er die Konsonanten als unzerlegbare Ge-räusche definierte. Der einfache Ton findet nach Helmholtz inder Mnsik nur eine untergeordnete, durch Stimmgabeln nndOrgelpfeifen repräsentierte Anwendung; der zusammengesetzteKlang, innerhalb dessen der Hauptton mit einer ganzen Reihe vonObertönen verschmilzt, hat eine weit machtvollere musikalischeWirkung. An die objektive Darstellung der Vokaltöne, welcherder große niederländische Physiologe F. C. Donders (18181839)einigermaßen vorgearbeitet hatte, schließen sich die dem gleichenZiele zustrebenden Arbeiten E. van Quantens (geb. 1824) undRudolf Koenigs (geb. 1832) an. Letzterer, ein geborener Königs-berger, ist seit 1852 zum Pariser geworden; er eröffnete 18S9sein Atelier alsLioiiZtruotsur ä'instrunisQts ä'aooustic^", undsowohl seine Kataloge und Abhandlungen, wie vor allem auch seinezahlreichen Erfindungen im Reiche der Töne sichern ihm einenEhrenplatz unter den Patronen dieses Zweiges der Experimental-physik. Ihm ist (1864) eine wesentliche Verbesserung jenes hand-lichen Instrumentes zu danken, welches als Stethoskop denmodernen Arzt auf allen Besuchsgängen begleitet, um ihn bequemerauskultieren zn lassen; er bestimmte (1880) die Anzahl derSchwingungen der seitdem in allen Theatern und Konservatorienihre Dienste thuenden Normalstimmgabel; er beobachtete (1881)den Schwingungszustand der tönenden Luft ingesackten" Pfeifen,und auch sonst wird er noch unsere Pfade kreuzen. An diesemOrte gedenken nur seiner abgeänderten Wiederholung (1370) der