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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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554 XV. Die mechanischen Disziplinen in der neuesten Zeit,

hindurchgeht, im Bilde festzuhalten und miteinander zn vergleichen, uudK. F. Liudemann (geb.1852) lieferte wertvolle theoretische Beiträge.

Die erwähnten Vorkehrungen, Luftschwingungen auf elastischeKörper zu übertragen und dadurch dem Gehörsinne den Gesicht-sinn zu substituieren, gehören, so großartige Verfeinerungen diebetreffenden Verfnhrungsweisen auch erfahren haben, doch immerzum überkommenen, eisernen Bestände der Lehre von den Schall-erscheinungen. Einen nenen Gedanken aber realisierte Koenig,indem er den Registrierstift des Phonautographen vouE.L.Scott(1859) durch seine manometrischen Flammen ersetzte (1865).Diese wurden sodanu im rotierenden Spiegel bei TyndallsVersuchsauordnung in einem durch Fadentorsion zur Achseudrehuuggebrachten dreiseitigen Prisma analysiert, und dieser Flammen-zeiger war es eben, der bei den vorgenannten Studieu über Vokal-bilduug nützliche Dienste leistete. Einigermaßen verwandt mitdiesen Phänomeneil erwiesen sich diejenigen, welche später an so-genannten sensitiven Flammen bemerkt wurden. Zu ihremNachweise hielt man, wie Graf F. G. I. C. Schaffgotsch (181kbis 1864) im Jahre 1857 dies vorbereitete, die chemische Har-monika für besonders geeignet, eine Vorrichtung, die B. HigginS1777 erdacht und Chladni seit 1794 zu einem wichtigen Jn-ventarstücke seiner akustischen Jnstrumentensammlung erhoben hatte.Flammen, die man in offene oder geschlossene Röhren bringt,regen die eingeschlossene Lnft zum Tönen an, wenn man sie angewisse, durch Probieren auszumittelnde Stelleil bringt; der Her-gang folgt ganz dem von den Pfeifen her bekannten Gesetze. Dererwähnte schlesische Naturforscher sah nun, daß die Flamme zuzittern beginnt und auch wohl erlischt, wenn man in ihrer Näheden Ton angiebt, welchen sie selbst erzeugt; ein um ein Vielfachesder Oktave sich unterscheidender Ton bringt den gleichen Effektzuwege. Die näheren Bedingungen der zwischen Tonhöhe undFlammenempsindlichkeit obwaltenden Beziehungen sind von Tyndall(1867), W. F. Barett (geb. 1844), zehn Jahre später und auchnoch von einigen anderen Physikern näher ergründet worden, undinsbesondere fand sich, daß eine Stärkung der Leuchtkraft derFlamme ebensogut wie eine Schwächung erzielt werden kann.