Druckschrift 
Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
559
Einzelbild herunterladen
 

Werke über Akustik.

559

die Lage versetze, den Anmarsch des Feindes durch Schallverstürkungaus eine ganz ungeheure Entfernung hin zu erkennen. Was da-mals ein phantasievoller Mensch säbelte, ist seit dem Ende dersiebziger Jahre zur Wahrheit geworden. Es hat sogar das Mikro-phon in dem kurzen Lebensabschnitte, der ihm bisher beschiedenwar, schon manche ersprießliche Verwendung gefunden. So ist esein unentbehrlicher Bestandteil jeder Fernsprechanlage geworden,und M. S. de Rossi (geb. 1834) hat dasselbe auf seinem geophysi-kalischen Observatorium zu Roeca di Papa im Albauergebirge inder Weise justiert, daß es dem Beobachter die schwachen vulkanischenund seismischen Geräusche zuträgt und vernehmlich macht, welchedas unbewaffnetc Ohr nicht aufzunehmen oder doch sicherlich nichtauf ihren wahren Ursprung zu deuten vermöchte.

Wir schließen hiermit die Lehre von den Schallerscheinnngenab, indem wir nur kurz bemerken, daß uns der übernächste Ab-schnitt noch einmal kurz zu denselben zurückführen wird, weil ja diephysiologische Seite der Disziplin neben der physikalischen niemalsvernachlässigt werden darf. Es fehlt namentlich der deutschenLitteratur nicht an selbständigen Werken, die eine gute Orientierungüber den Fortschritt der Akustik zu ermitteln geeignet sind.Wer den Umwülzungsprozeß, der mit Helmholtz' Auftreten ein-geleitet ward, richtig erfassen will, nimmt am besten ein vonF. G. K. Zamminer (18171858) geschriebenes Werk (1855)zur Hand, aus dem man insbesondere ersehen kann, wie dringendnotwendig der Theorie der Mnsik die sich damals eben vorbereitendeReform war. Die nächstfolgende Periode ist durch Tyndallsmeisterhafte Vorlesungen über den Schall (London 1867, 1372,1875) gekennzeichnet, die sich in deutschem Gewaude gewiß ebeusosehr wie im heimatlichen eingebürgert haben. Für die Folgezeitaber giebt MeldesAkustik" (Leipzig 1883) jeueu Überblick, dererfordert wird, um der geistigen Bewegung auf diesem Gebiete biszur aktuellen Gegenwart leicht folgen zu können.

Die mechanische Physik, wenn wir diese Bezeichnung wiederin dem ihr zu Beginn dieses Abschnittes beigelegten Sinne nehmen,hat damit ihren einstweiligen Abschluß erreicht; freilich fehlen nochalle eingehenderen Hinweise auf atomistische und molekulartheoretische