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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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560
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XV. Die mechanischen Disziplinen in der nenesten Zeit.

Studien, wie sie gerade in dieser neuesten Zeit eine hohe Bedeutungerlangt habeu. Es ist indessen auch nicht wohl möglich, dieseFragen zusammenhängend abzuhandeln, weil dieselben nach allzuverschiedenen Seiten hin ihre Fäden ziehen. Sowohl im nächstenAbschnitte, wie anch in denjenigen Kapiteln, welche der Chemieals solcher und zumal der Physikalischen Chemie gewidmet sind, be-anspruchen diese den inneren Zusammenhang der Körper betreffendenProbleme einen großen Raum. Aus diesem Grunde sollen hiernur noch zwei abzugrenzende Spezialgebiete geschichtlich geschildertwerden: Die Lehre von der Transsormierbarkeit der Aggregat-zustände und die Gesamtheit der Bestrebungen, atomistisch dasWesen der allgemeinen Körperschwere zn erklären.

Wir haben erfahren, daß durch Faraday die alte An-schauung von den permanenten Gasen und von der Wesens-ungleichheit zwischen Gaseu und Dämpfen einen schweren Stoßerlitten hatte. In rascher Folge schritt die Forschung weiter vonErkenntnis zu Erkenntnis, und mit Rücksicht darauf, daß man esauf diesem Arbeitsfelde bereits zn ungewöhnlich abschließenden Ergeb-nissen gebracht hat, ist die retrospektive Verfolgung des zurückgelegtenWeges, wie sie uns durch die Schriften von F. Weinberger(Burghausen 1898) und Hardin-Traube (Braunschweig 1900)uugemeiu erleichtert wird, eine besonders belohnende und Gewinnbringende. An Faradays Verslüssigungsexperimente reihten sich1860 diejenigen von M. P. E. Berthelot (Abschnitt IX) und 1861jene vou D. Mendelejew (geb. 1834), mutmaßlich dem erstenSibirier, der in die Entwicklung der Naturwissenschaften selb-ständig eingegriffen hat. Gleichzeitig aber war eine andere, fürunsere Vorstellungen von den Beziehungen zwischen Wärme undMoleknlaranordnung fundamentale Entdeckung gemacht worden.Im Jahre 1822 war Cagniard-Latour durch die Wahrnehmungüberrascht worden, daß Schweseläther, Alkohol und Wasser, in zu-geschmolzenen Glasröhren starker Erhitzung ausgesetzt, zwar trotzdes Druckes in Dampf übergingen, ihre Dichte jedoch beinaheunverändert beibehielten. Der genannte Gelehrte hatte zwar be-reits eine Ahnung von der Wichtigkeit dessen, was er gesehen hatte,aber die entscheidenden Konseqnenzen zog doch erst der schottische