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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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562
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562 XV. Die mechanischen Disziplinen in der neuesten Zeit.

von F. Roth ins Deutsche übertragene Programmschrift heraus(Die Kontinuität des flüssigen und gasförmigen Zustandes",Leiden-Leipzig ), und ihm folgte der auch durch seine geistvollenVariationen des Foucaultschen Pendelversuches (1879) bekannteH. Kamerlingh Onnes (geb. 18S3) mit einer denselben Gesichts-punkt hervorkehrenden Studie (Keneral ltikor^ 01° rllk?Iuicl Ltats",Amsterdam 1881). Die sogenannte Zustandsgleichuug, welchevan derWaals aufstellte, soll die Umstände klarlegen, nnterwelchen ein Körper den einem der Aggregatzustäude entsprechendenMoleknlarzusammenhang ausweist; die Gleichung ist vom drittenGrade, und wenn die drei Wurzeln, die ihr demgemäß zukommen,gleich geworden sind, soll der kritische Moment erreicht sein.Mau hat gegen den Bau dieser Gleichung, namentlich ist dies vonseiten B. Weinsteins (geb. 1852) geschehen, begründete Ein-wendungen erhoben, allein das thatsächliche Bestehen einer Znstands-gleichung, wenn dieselbe auch auders geformt sein mag, wirddadurch nicht illusorisch gemacht, und angenähert scheint man die-selbe doch als zutreffend ansehen zu dürfen. Nach van der Waals,dem anch I. W. Gibbs' (geb. 1839) eigene Arbeiten zur wert-vollen Stütze dienten, erleichtert man sich die Einsicht in die oftkomplizierten Beziehungen zwischen Volnmen, Temperatur, Energieund Entropie durch Konstruktion der sogenannten Isotherm-st ächen, deren merkwürdige Linien und Flächen dem Kenner, wieKnenen zeigte, sofort den gewünschten Ausschluß erteilen; in derHerstellung und Diskussion zugehöriger Modelle haben A. Ritter,A. Blümcke und D. A. Goldhammer in Kasan Hervorragendesgeleistet, wie dies die im Jahre 1893 zn München veranstaltetemathematische Ausstellung jedermann klarlegte.

Die Existenz des überkritischen Zustandes, der ja nur beieiner relativ sehr hohen Temperatur zur Thatsache werden kann,hindert selbstverständlich nicht, daß durch geeignete Vereinigunghohen Druckes und niedriger Temperatur, wie dies ja schonFaraday als seine unerschütterliche Überzeugung verkündet hatte,jedwedes Gas zu einer Flüssigkeit umgewandelt werden kann.Das Jahr 1877 bezeichnet wieder einen Markstein, denn nunmehrgelaug es nahezu gleichzeitig L. P. Cailletet (geb. 1832) und