566 XV. Die mechanischen Disziplinen in der neuesten Zeit.
der Kompressionswärme sorgt. Alsdann geht die verdichtete Lustdnrch ein System von Schlangenröhren und tritt durch ein Drossel-ventil in den Aufnahmebehälter hinaus, womit eine starke Tem-peraturhera ln'etzuug verbunden ist. Nunmehr strömt diese kalteLust durch die äußeren Röhren des ermähnten Systemes zurück,erleidet eine neue Verdichtung und wird zuletzt, indem jede aber-malige Durchlaufung des Kreisprozesses die gleiche Wirkung nachsich zieht, fo ungeheuer kalt, daß die freie Beweglichkeit der Luft-moleküle aufhört. In die Dewarschen Glasbirnen, welche seit1893 den Dienst von Reservoiren thun, fällt zuerst der wohl be-kauute Schuee verfestigter Kohleusäure, und durch dieseu, der anden Wänden hängen bleibt, bahnen sich alsbald dünne Streifenflüssiger Luft ihreu Weg, bis endlich die Behälter ganz von beidenBestandteilen angefüllt sind. Wird jetzt der Hahn geöffnet, so be-ginnt der Ausfluß beider Materien, und da man den Schnee inFiltrierpapier zurückhalten kann, so fließt die Lnft als farbloseFlüssigkeit bei —200" Temperatur aus, um in schmiedeeisernenFlaschen gesaßt und aufbewahrt werden zu können. Das großeProblem muß seit 1895 als endgiltig erledigt gelten. Im Jahre1898 ist man aber wieder ein gntes Stück weiter gekommen, dennDewar war so glücklich, den Wasserstoff, auf dessen Verflüssigungman eigentlich mehr nach indirekten Kennzeichen geschlossen hatte,in stabilerem Zustande darzustellen, und Olszewski verfestigteFlnor, Helium und Argon, letzteres zu eiuer ähnlich wie Eisaussehenden, krystallinischen Masse.
Eine spezielle Physik der verflüssigten Gase wird Wohl nureiue Frage kurzer Zeit sein; daß die Kunst des Ingenieurs diegroße Erfindung bereits in den Dienst des Tunnelbaus zu stellenverstand, wurde oben vermerkt. Anch theoretische Folgerungen hatdieselbe bereits in dem kurzen Lebenszeitranme, der ihr beschiedeuist, mehrfach gezeitigt. Inwieweit Dewars Vermutung, daß beiso niedrigen Temperaturen, wie sie bei der Kondensation der Luftin die Erscheinung treten, sämtliche Eigenschaften der Materie,vorab bezüglich der Elastizität uud des Phosphoreszierens,vital beeinflußt werden, Bestätigung erfahren wird, muß vorläufigabgewartet werben. Sehr bemerkenswerte Erfahrungen über flüssige