Ältere und neuere Anschauungen über die Fernewirkung.
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Luft sind aus Eberts Münchener Labvratorium (1900) hervor-gegangen. Ein in dieselbe hineingelegtes Metallstück wird negativelektrisch geladen; da aber bloße Reibung der reinen Luftflüssigkeitkeine Elektrisierung bewirkt, so muß der bezügliche Akt auf dieReibung des in ersterer enthaltenen Eises zurückgeführt werdeu.Dies eröffnet eine neue Perspektive zum besseren Verständnis jenerzwischen flüssigem und festem Wasser spielenden Reibungsvorgäuge,die den Kern der im Jahre 1885 von L. Sohncke (1842—1897)aufgestellten, vou den Meteorologen beifällig aufgenommenen Ge-wittertheorie bilden. Ebert gelangte dazu, mittelst flüssiger Lnfteine Art von Eiselektrisiermaschine herzustellen.
Dem ersten unserer beiden für die Schlnßabteilung diesesAbschnittes fixierten Programmpnnkte glauben wir vorstehend Ge-nüge geleistet zn haben, und es bleibt uns noch der zweite, deinnicht minder eine hohe prinzipielle Bedeutung beizumessen ist.Drehen sich doch seit zweihundert Jahren die erregtesten Streit-fragen um die von Newton eingeführten Fernekräfte, durchderen axiomatische Geltung alle Erörterungen über Wirbelmaterieund Ätherstoß, wie solche bei DeScartes, Gasseudi, Leibniz ,Huygens u.a. gepflogen wurden, überflüssig gemacht werden sollten.Das 18. und beginnende 19. Jahrhundert nahm, den 1764 an-gestellten schüchternen Versuch einer atomistischen Deutnng derSchwerkraft ausgenommen, Newtons Anziehungskraft als einefeststehende Thatsache hin, und der Astronom Maedler meintesogar um 1850, mau zerbreche sich doch ganz überflüssig den Kopf,um die unsichtbaren Seile oder Ketten deutlich zu macheu, welchedie einzelnen Weltkörper untereinander verbänden. Das Kausal-bedürfnis der Menschheit fand jedoch au dieser Resignation keinenachhaltige Befriedigung, und auch Zoellners Versuch, den Knotendadurch gewaltsam zu lösen, daß man den Elementarbestandteilender Materie seelische Eigenschasten beilegen und Attraktion mitLust, Repulsion mit Unlust ansdrücken könnte, schickte sich schlechtsür ein die mechanistische Erklärung über Alles stellendes Zeitalter.Das oben erwähnte kritisch-geschichtliche Werk vou M.H.K.Jsen-krahe, „Das Rätsel der Schwerkraft" (Braunschweig 1879) be-titelt, versetzt uns in die Lage, vou den zahlreichen und bei aller