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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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568 XV. Die mechanischen Disziplinen in der neuesten Zeit.

Einheitlichkeit des Grundgedankens doch in den Wegen recht sehrabweichenden Hypothesen leicht und sicher Kenntnis nehmen zukönnen, welche menschlicher Scharfsinn zur Lösung eines wirklichenWelträtsels ausgedacht hat. Es kann nicht unsere Absicht sein,die verschiedenen Lösungsversnche im einzelnen zu analysieren,um so weniger, da dies in der Monographie von Jsen krähe mitdem sreilich vorauszusehenden Endresultate geschehen ist, daß keinesder angewandten Mittel als einwurfsfrei anerkannt werden kann.In deu Jahren 1855, 1868, 1876 nnd 1877 hat PH. Spiller(18001879), 1880 hat A. Anderssohn, 1872, 1380 und 1884N. v. Dellingshausen (geb. 1827), 1875 Tolver Preston ,1873 H. Schramm, 1874 und 1876 H. Fritsch seine Ansichtenüber eine aphoristische Begründung des Gravitationsgesetzes Ver-lautbart. Die meisten der Genannten sind überzeugte Atomistiker,während Anderssohn, ganz im Sinne einer gereinigten carte-sianischen Wirbeltheorie, den Ätherdruck als Ursache stetiger Distanz-Verminderung der beiden sich anziehenden Massen anspricht undv. Delliugshausen von der stetigen Raumerfüllung ausgeht.Wie erwähnt, findet sich in allen diesen Lehrgebäuden eiu schwacherPunkt, den die Kritik zur Zerstörung des ganzen Baus benutzenkaun. Aber auch Jsenkrahes eigene Hypothese, welche ein stetigesBombardement der festen Körper durch Ätherkorpuskelnvoraussetzt, wie es Kroenigs kinetische Lehre annimmt, wurdevon A. Bock (1891) als unzureichend nachgewiesen. In noch er-höhtem Maße wird jene Theorie der Materie, welche der berühmteAstrophysiker Secchi in seinem WerkeI/units, äslls torss llsiLUs"(Rom 1864; deutsche Ausgabe, Leipzig 1876) niedergelegt hat,den gegen die Lehre vom Ätherstoße geltend gemachten Bedenkenunterliegen, weil ein Widerspruch darin liegt, daß die als unelastischvorausgesetzten Atome sich den zahllosen auf sie wirkenden Stößengegenüber geradeso verhalten sollen, als ob sie elastisch wären.Der jüngsten Zeit gehört A.Korns scharfsinniger Versuch an, dieGesetze der Hydrodynamik für die Begreifung der Gravitationnutzbar zu machen, ein Versuch, der nur im engsten Zusammen-hange mit den modernsten Kraft- und Atomtheorien, die das20. Jahrhundert als Vermächtnis vom 19. überkommen hat, die