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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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578 XVI. Licht, Magnetismus n. Elektrizität in der 2. Halste d. Jahrhunderts.

lichungen nicht Lügen straften. Im Gegensatze hierzu ist Abbemehr denn dreißig Jahre hindurch diesen Forschungen treu ge-blieben; sein sogenannterSinussatz" von 1873 wies dem prak-tischen Knlknl neue Wege, und sechs Jahre später war er in dieLage versetzt, die Aufhebung der aus der Art der Kugel-krümmuug entspringenden Strahlenabweichung nicht nur,wie bisher, für die Mitte im strengen Wortsinue, sondern für eineganze Mittelregiou durchzuführen. H. Krüß und C. Moser habenin diesem Geiste die Konstruktion von Fernrohren und die zweck-mäßigste Anordnung der Linsengläser in die Wege geleitet, undFinsterwalder hat die betreffenden Formeln auch für den in derPraxis, der größeren Helligkeit halber, wichtigen Fall aufgestellt,daß die Apertur, der von den Strahlen durchdrungene sphärischeFlächenraum, größer wird. Eiue sehr große Anzahl von Einzel-aufsätzen, die H. A. v. Steinheil (18321893) den verschiedenstenFragen der Lehre von der Brechung in Linsen und Prismeu widmete,legt Zeugnis ab von den Normen, nach welchen in der berühmtenoptischen Offizin dieses Namens zu München gearbeitet wird; keinefrüher begründete Werkstätte war so wenig auf bloße Empirie undfo ausschließlich auf die Anwendung exakter Theorie begründet, wiedie Steinheilsche. Wie weit es die geometrische Optik als solchezu bringen im stände ist, kann mau aus dem von dem Leiter desgenannten Ateliers, zusammen mit E. Voit (geb. 1836), verfaßtenWerke (1891) ersehen, welches, wiewohl unvollendet, diesen Teilder Lehre vom Lichte zu einein gewissen Abschlüsse bringt.

Einen ganz neuen Ausblick hat allerdings die von H. Bruns189S begründete Eikonaltheorie eröffnet. Wie in allen Teilender Mechanik, dieses Wort im weitesten Sinne gefaßt, die Kraft-komponenten dadurch erhalten werden, daß man mit einer beherr-schenden mathematischen Funktion, dem Potentiale, gewisse Ope-rationen, die des Differentiierens, vornimmt, so kommt der alsEikonal (6<xc-^, Bild) bezeichneten Größe die Eigenschaft zu, ganzebenso stets die Strahlenkovrdinaten aus sich ableiten zu lassen.Die Wellentheorie des Lichtes hat, wie man sieht, bei allen diesenForschungen kein entscheidendes Wort mitzusprechen gehabt. DenAnschauungen C. Strehls jedoch znsvlge, die seit 1894 bekannt zu