Neuere Methoden der dwptrischen Berechnung.
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jener R. Hamilton, dessen wir in der Geschichte der Mathematik,wie auch der theoretischen Mechanik, als eines der schärfsten Denkerzu erwähnen hatten, schon in den dreißiger Jahren noch tiefer indie Theorie der einer Linsenverbindnng notwendig anhaftendenFehler eingedrungen war: die Methode mußte aber, da die Arbeit,vom Quaternionenkalkül beherrscht, sozusagen mit Ausschluß derÖffentlichkeit erschienen war, 1890 von M. F. Thiesen wiederentdeckt werden. Neben Seidel ist als ein nnermüdlicher Arbeiterauf dem Gebiete der Dioptrik auch der Ungar I. Petzval (1807bis 1891) zu nennen, dessen äußerst umfangreiche Studien leiderlitterarisch nicht über einige kleinere Abhandlungen (zumal „Berichtüber die Ergebnisse einiger dioptrischer Untersuchungen", Budapest1843) und praktisch nicht über die Konstruktion eiues allerdingsganz ausgezeichneten Porträtobjektives hinaus gelangt sind.Um die unsäglich mühsamen Rechnungen bewältigen zu können,welche die Verfolgung des Ganges einer größeren Anzahl vonStrahlen durch das Linsensystem hindurch nötig machte, stellte dasKriegsministerium eine ganze Anzahl mathematisch gebildeter Zög-linge des Bombardierkorps zur Verfügung. Von einem anderenManne, der auf diesem Gebiete sehr erfolgreich thätig war, hatman erst allerneuestens durch einen Hinweis erfahren, denS. v. Merz (geb. 1824) anläßlich seiner Prüfung der Fraun-hoferschen Originalobjektive 1398 gab; der Optiker Arnold hatte,wie seine in totale Vergessenheit geratene Schrift („Die neuerenErfindungen und Verbesserungen in betreff der optischen Instru-mente", Quedlinburg 1833) ausweist, schon für das Objektiv seinesberühmten Vorgängers ganz exakt die sphärische und die chro-matische Aberration bestimmt. In der chronologischen Folgeschließen sich an Seidel, der allerdings in der hier in Redestehenden Zeit auch selbst noch rüstig weiter arbeitete, der berühmteAstronom Hansen (1871) und H. F. A. Zinken-Sommer (geb.1837) an, der später durch seine Hinneigung zur Musik diesenBeschäftigungen ganz entfremdet ward, aber schon als ganz jungerMaun durch seine Berechnung der Bildkrümmung bei optischenApparaten (1864) eine hohe Befähigung für solche seine Unter-suchungen beknndet hatte, die dann anch seine späteren Veröffent-
Giinther, Anorganische Naturwissenschaften^ 37