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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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580 XVI. Licht, Magnetismus u, Elektrizität in der 2. Hälfte d, Jahrhunderts.

überschreitbare Schranke gesetzt, wie andererseits der Vergrößerungder ranmdurchdringenden Kraft des Fernrohres durch die Mitver-größernng der Unrnhe der Luft eine Grenze gezogen erscheint. Beialledem leistet das vervollkommnete Vergrößerungsglas doch auchjetzt schon die vorzüglichsten Dienste; Botanik, Mineralogie mandenke an die Dünnschliffe, Physiologie und klinische Medizinerkennen es dankbar an, wie man dies aus den bezüglich 1850,1867, 1879, 1883 und 1894 herausgekommenen Schriften vonP. Harting (1812 1885), S. Schwendener (geb. 1829),H. M. Willkomm (18211895), L. Dippel (geb. 1827) undFriedländer-Eberth ersieht. Die gewaltigen Fortschritte derNeuzeit, wie sie großenteils den uns von der Thermvmetrie hererinnerlichen Bestrebungen der Jenaer Schule zu danken sind, er-läutert wissenschaftlich S. Czapski (Theorie der optischen Instru-mente", Breslau 1893). Vou anderen notwendig hier noch zu-gehörigen Arbeiten seien die schönen, rein geometrischen Theoriender Linsenverbindungen von A. Beck (geb. 1872) und G. Ferraris(geb. 1847) genannt, dessen Werk in erweiterter Bearbeitung vonF. F. Lippich (geb. 1838) den Deutschen zugänglich wurde; eineDioptrik der geschichteten Linsensysteme, die in der Physio-logischen Optik der Tierwelt eine Rolle spielen, gab 1877L. Matthiessen, eine rechnerische Behandlung der mehrteiligenFernrohrobjektive 1835 A. Kramer. Ungefähr gleichzeitigversuchte sich F. C. L. Keßler (18241896) an der Anfgabc, einzentriertes System brechender Sphären durch eine einzige Kugel-fläche zu ersetzen. Da es begreiflicherweise auch dem kunstverstän-digsten praktischen Optiker begegnen kann, daß seine Linsen Un-gleichförmigkeiten, sogenannte Schlieren, enthalten, die eine ört-liche Unregelmäßigkeit der Lichtbrechung bedingen, so ist es gut,wenn mau sich von dem Vorhandensein solcher Stellen von vorn-herein überzeugen kann. Dies leistet vorzüglich der 1864 vonA. I. I. Toepler (geb. 1836) konstruierte Schlierenapparat,dem aber eine über diesen nächsten Zweck weit hinausgehende Be-deutung zukommt; insbesoudere lassen sich mit ihm die Vibrations-phasen der nns aus dem vorigen Abschnitte erinnerlichen tönendenFlammen gut beobachten, so daß er geradezu als Vibroskop wirkt.