Photographie in natürlichen Farben.
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würde die Entfernung für die unarmierten Sinne nnmeßbar klein,während diese, falls nur die Neigung eine sehr geringe ist, sogarbis zu 2 mm gesteigert werden kann. Wiener nun hat es eben(1890) dahin gebracht, den Vorgang sinnenfällig zn wachen. EinGlasplättchen und ein Häutchen von Chlorsilberkollodium wurdenso miteinander verbunden, daß ein prismatischer Raum zwischenihnen frei blieb, nnd in dieser keilförmigen Luftschicht tonnte sichnun, wenn das Häutchen gegen den Spiegel gekehrt war, einestehende Oszillation ausbilden. Jenen geraden Linien, die mitden Bäuchen der stehenden Welle korrespondieren, entspricht einMaximnm, und denen, die mit den Knoten zusammenfallen, ent-spricht ein Minimum von photographischer Wirkung, so daß alsonachher abwechselnd helle und dunkle Streifen das Häntchen be-decken. Ein Jahr später war dann Lippmaun so glücklich, in derVersolgnng dieser geistvollen Manier, auf die Natur eiuen Zwangznr Entschleierung ihrer Geheimnisse auszuüben, eine Photographiedes Farbenspektrums zuwege zu bringen. Es wirken bei dem vonihm angewandten Verfahren nur jeue Ebeuen, in denen die Ab-weichung der Welle von der Normallage besonders groß ist, aufdie Silbersalze, uud das Häutchen zerteilt sich in eine Reihe außer-ordentlich dünner Blättchen, deren Dicke jeweils der halben Wellen-länge einer Farbe gleich ist. Auch P. Glans Arbeiten über Farben-reproduktion und über das Spektroteleskop, welche dem Jahre1896 angehören, wollen in dieser Hinsicht beachtet sein. In letzterInstanz sind die von der Photographie wiedergegcbeneu Farbenidentisch mit den bekannten Farben dünner Blättchen, welcheseit Newton die Physiker beschäftigen. Drückt man eine gekrümmteGlasplatte von sehr großem Radius an eine berührende ebeneGlasplatte an, so entstehen nm den Berührungspunkt herum dieabwechselnd ein Blau, Rot u. s. w. erster, zweiter und höherer Ord-nung erkennen lassenden Newtouschen Farbenringe. Dieselbenin allen Teilen ans den Gesetzen der Undulationstheorie herzuleiten,ist Sohucke und Wangerin (1881) gelungen.
Die physikalische Lichttheorie, welche die sämtlichen Erscheinungenauf Transversalschwinguugen des nirgendwo fehlendeninterkorpuskularen Äthers zurückführt, war bereits in der